Frank Behrendt – Mein Gespräch mit einer Rampensau

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Es gibt Buchmesse-Begegnungen, die bleiben einem in Erinnerung. 2014 war das ganz klar der britische Autor David Nicholls, der mich so bewegt hat, dass ich meinen eigenen Namen nicht mehr auf Englisch buchstabieren konnte. Aus 2015 ist mir Timothy Sonderhüsken, Programmleiter von dotbooks, in Erinnerung geblieben als menschgewordener Flummy, der die Menschen begeistern kann. Und in diesem Jahr? Es ist mein Interview mit Frank Behrendt, einem der bekanntesten Kommunikationsberater Deutschlands, das bei mir Eindruck hinterlassen hat.

Kommunikationsberater, Top-Manager (das schreibt stern.de), Vollblut-Verkäufer aus Leidenschaft (das schreibt er über sich), kein Wunder also, dass dieser Mann gut reden kann. Doch es sind keine Phrasen, die er von sich gibt, er ist ein Geschichtenerzähler, einer, dem man einfach zuhören muss und dem man sich nicht entziehen kann. Was machten die Zuhörer auf seiner Lesetour wohl für ein Gesicht, als er ihnen auf verkündete „Ich lese nicht“, bevor er ein „ich erzähle ihnen nur Geschichten“ hinterher schob. Vermutlich hat er sie im ersten Moment verblüfft. So wie mich, nachdem ich ihn gefragt habe, was ihn an anderen Menschen stört und er sein e Antwort „Schlechte Laune“ mit dem Nachsatz, dass er einen Mitarbeiter, der negative Energie verbreitet, rausschmeisst, versehen hat.

An dieser Stelle musste ich zunächst schlucken, doch dann haben wir uns eine gefühlte Ewigkeit über zufriedene Mitarbeiter unterhalten und darüber, wie ein unzufriedener Mitarbeiter die Kollegen herunter zieht und mir ist schnell klar geworden, worum es Frank Behrendt geht, wenn er so handelt. Gebt es zu, ihr denkt gerade darüber nach, welchen von euren Kollegen es erwischen würde. Ihr dürft dazu stehen, es ging mir so und auch jedem anderen, dem ich bislang davon erzählt habe. Oder seid ihr gar selbst jemand, der schlechten Einfluss auf das Betriebsklima ausübt?

Dann solltet ihr darüber nachdenken, zum Buch von Frank Behrendt zu greifen. „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“ lautet der Titel. Grundlage für dieses Buch waren seine „10 ernsthaften Ratschlägen wie man lockerer durchs (Berufs)Leben kommt“, die im vergangenen September im Magazin CLAP, dem „People-Magazin der Kommunikationsbranche“ erschienen sind. CLAP hat die Ratschläge einige Tage später online gestellt. „Zum Ausdrucken und an die Cheftüre nageln.„. Bislang habe ich erst einige Kapitel des Buches gelesen und nein, auch Frank Behrendt hat das Rad nicht neu erfunden, er betont im Buch auch, dass es zehn Ratschläge sind, durch die er persönlich es schafft, gelassen zu sein. Aber das, was ich bisher gelesen habe, macht mir wieder einmal deutlich, auf was ich achten sollte und was ich ändern müsste, damit ich weniger gestresst durchs Leben gehe. Das schreibe ich bewusst im Konjunktiv, denn natürlich ist mir klar, dass so etwas nicht von heute auf morgen funktioniert und wahrscheinlich auch ein Kampf mit dem inneren Schweinehund ist.

Wenn ihr euch das Buch zugelegt habt, dann passt bitte auf, wo ihr es lest. Erwischt euch Frank Behrendt nämlich mit dem Buch in der Hand, dann könnt ihr es vergessen, auch nur eine weitere Seite zu lesen. So zumindest ging es der Frau, die kürzlich in einem Flugzeug sein Buch gelesen hat. Er hat sich neben sie gesetzt und die beiden haben sich während des ganzen Fluges unterhalten. Nicht über das Buch, erzählt er, sondern über das Leben. Wenn Frank Behrendt jemanden mit seinem Buch sieht, sind das Glücksmomente für ihn und dann macht er das, was er so gut kann: Kommunizieren,  um mehr über die Menschen zu erfahren.

Kommunizieren ist auch ein Stichwort für die Antwort auf meine nächste Frage: „Was stört andere an Frank Behrendt?“ Dass er schnell redet, kommt es prompt. Das kann ich sogar nachvollziehen. Er redet so schnell und so viel, dass ich gar nicht mehr mitschreiben kann und wenn ich ehrlich bin, auch gar nicht will. Denn wenn ich mitschreibe, kann ich ihm nicht voll konzentriert zuhören, dann verpasse ich etwas und das möchte ich auf keinen Fall. Um ehrlich zu sein, Frank Behrendt überfordert meine Multitaskingfähigkeit und ich bereue es ein wenig, noch nie darüber nachgedacht zu haben, ein Interview aufzuzeichnen. Was er erzählt, reißt mich mit und diesem Moment tritt die Tatsache, dass ich über das Interview schreiben wollte, etwas in den Hintergrund.

„Und dass ich den ganzen Tag gute Laune habe.“ ergänzt Frank Behrendt. Er zeigt mir ein Interview, das er gegeben hat und das gerade in einem Printmedium erschienen ist. Dort lese ich, dass Frank Behrendt über Frank Behrendt sagt, er könnte ihn nicht den ganzen Tag ertragen. Ich frage mich, ob er anstrengend ist, diesen Mann den ganzen Tag um sich zu haben. Oder ist es eher mitreißend? Gerne würde ich jemanden dazu befragen, der schon einmal mit Frank Behrendt zusammengearbeitet hat. Wie ist es, wenn da jemand ist, der immer ein Lachen im Gesicht hat, der gute Laune versprüht, der frei Schnauze sagt, was er denkt? Wie ist es, einen Chef zu haben, der, gerne im goldenen Dress, wie er in seinem Buch schreibt, die Bühne erklimmt und Howard Carpendale singt? Frank Behrendt geht davon aus, dass ihn das seinen Mitarbeitern näher bringt, ihn anfassbar macht und dafür sorgt, dass er sich selbst nicht zu wichtig nimmt.

Frank Behrendt, die Rampensau? Ja, das ist er wohl, vielleicht auch ein Selbstdarsteller, das muss man wahrscheinlich auch ein Stück weit sein in diesem Job. Aber was er sagt, klingt für mich authentisch und er ist offensichtlich auf dem Boden geblieben. So bringt er beispielsweise seine Kinder morgens in die Schule oder in die KiTa, wie er in einem Interview verraten hat, Und anstatt in einem Hotel zu übernachten, setzt er sich nach einem langen Messetag gegen 23 Uhr ins Auto, um von Frankfurt nach Köln zu fahren, dort morgens um 2 Uhr anzukommen, kurz zu schlafen und das „nur“, um mit seinen Kindern am Frühstückstisch zu sitzen, bevor er wieder zurück nach Frankfurt fährt. Ein absoluter Familienmensch eben.

Verdammt sympathisch, dieser Frank Behrendt.

***

Auch Frau Pixel hat die Möglichkeit genutzt, mit Frank Behrendt zu sprechen, welche Fragen sie ihm gestellt hat, könnt ihr hier nachlesen:

BlognTalk: Sachbuchautor Frank Behrendt im Interview

 

3 Gedanken zu „Frank Behrendt – Mein Gespräch mit einer Rampensau“

  1. Hallo Daggi,

    schön noch mal in Ruhe zu lesen, was du mir über das Interview in Kurzform schon erzählt hast. Meine Kollegen dürften alle bleiben, was schon mal für sie spricht ;-).
    Knuddler nach Lautern ans Schneewittchen.

    Liebe Grüße
    Sandra

    [Antwort]

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