Du siehst Deiner Mutter immer ähnlicher …

DagKopie

Ich war ungefähr 15 Jahre alt, als der damalige Erzbischof von Freiburg, Oskar Saier, unserer Pfarrgemeinde einen Besuch abgestattet hat. Während eines Gottesdienstes anlässlich seines Besuches fungierte ich als Messdiener. Beim anschliessenden Empfang wurde ihm meine Mutter vorgestellt und er sagte sinngemäss: „Und Sie sind die Mutter der Messdienerin.“ Unser Pfarrer fragte dann ganz erstaunt, woher er das wisse und der Erzbischof antwortete ihm, dass man das ja wohl sehen würde.

Nein, das wollte ich nicht hören, auch nicht verstehen und schon gar nicht glauben. ICH sollte MEINER MUTTER ähnlich sehen? Auf keinen Fall.

In den vergangenen knapp 25 Jahren habe ich das noch oft zu hören bekommen und mittlerweile sehe sogar ich ein, dass mich meine Mutter nicht verleugnen kann. Ich habe auch gar kein Problem mehr damit, dass viele Leute auf den ersten Blick sehen, dass ich ihre Tochter bin.Wodurch das kam? Keine Ahnung! Ich bin reifer geworden, habe selbst Kinder, die nicht hören wollen, dass sie jemandem anders ähnlich sehen, vielleicht ist das ein Grund dafür.

Aber ich sehe meiner Mutter nicht nur ähnlicher, ich höre mich auch schon an wie sie. Bevorzugt, wenn es um das Thema Kinder geht, dann nämlich wenn ich versuche, meiner Tochter zu erklären, dass sie nicht für mich lernt, sondern dass das wichtig ist für ihr späteres Leben. Oder wenn meine Kleine sich nicht alleine den Schlafanzug anziehen will und ich frage, ob sie noch ein Baby ist, weil ich dachte, dass sie aus dem Alter schon längst raus sei.

Ganz beliebt auch:

  • Als ich so alt war wie Du …
  • Das hätten wir uns bei unseren Eltern nicht erlauben dürfen…
  • Wenn Du 18 bist …
  • Das passt nicht zusammen, Du ziehst Dich an wie ein Clown.
  • Putz Dir die Nase und zieh sie nicht immer hoch.
  • Mach, was Du willst, Du wirst sehen, was Du davon hast.
  • Hört auf zu Streiten, Ihr solltet froh sein, dass Ihr Euch habt.
  • Macht das unter Euch aus.
  • Das ist kein vollständiger Satz.
  • Das war das letzte Mal, dass ich Euch mitgenommen habe zum Einkaufen.
  • Hättest Du aufgeräumt, als ich es gesagt habe, dann…
  • Fräulein, ich sag es Dir im Guten…

Ach Du Schande … ich werde meiner Mutter also nicht nur immer ähnlicher, ich höre mich auch noch an wie sie.

Dabei war mir doch schon als Kind eines klar: So wie meine Mutter wollte ich nie werden. Ging es Euch auch so? Dann habt Ihr auch an Matrophobie gelitten, der Angst, so zu werden, wie die eigene Mutter.

Aber wie sehe ich das heute? Ganz anders. Wenn ich es genau nehme, muss ich zugeben, dass wir Kinder vernünftige und reife Menschen geworden sind und dass meine Eltern damit vermutlich alles richtig gemacht haben. Warum also sollte ich meiner Mutter nicht ähnlich sehen oder ähnlich sein wollen. Mein Mutter ist eine tolle Frau und wenn ich so werde wie sie, dann ist das nur ein Kompliment für mich :) (Mein Vater ist übrigens ein toller Mann, aber da ich ihm weder ähnlich sehe, noch ähnlich bin, ist er hier zum grossen Teil aussen vor geblieben. ;) )

***

Das ist mein Beitrag zu Teil 5 von „Sandra und Sandra suchen“. Die beiden suchen derzeit die nervigsten Sprüche, die man noch von früher im Ohr hat.

8 Gedanken zu „Du siehst Deiner Mutter immer ähnlicher …“

  1. Oh, dass würde mich auch stören (und zwar heute noch), wenn das jemand zu mir sagen würde!!!! Das kommt gleich nach der Frage: „Von wem hat sie das nur? (denn in meiner Familie waren wir alle normal)“ Andererseits trägt man eben das Erbe seiner Eltern mit sich herum, ob man will oder nicht. Man kann immer nur das Beste daraus machen ;-)
    LG
    Sabienes

  2. Hihi, ich weiß, dass ich nicht verleugnen kann, wo ich herkomme. Daher stört mich das nicht so sonderlich ;)
    Wußtest Du, dass Hochziehen gesünder ist, als schnauben? Kein Schei*** (http://www.badische-zeitung.de/gesundheit-ernaehrung/medizinmythen-hochziehen-statt-schnaeuzen–47540266.html) ich finde es trotzdem unangenehm, wenn ständig neben mir jemand frei nach dem Motto: Keine Kohle, aber nen eigenen Aufzug! vor sich hinröchelt.
    LG, Sabo

  3. Ich war heute beim Frisör, als ich heimkomme begrüßt mein Mann mich mit den Worten „Jetzt siehst du aber wirklich wie deine Mutter aus!“. Ich habe darauf geantwortet: „Und? ist doch eine tolle Frau!“.

    Wie du schreibst, ich bin groß und ganz anständig geworden, warum sollte ich es doof finden, wie meine Mama zu werden? Ist doch schön, wenn man sich so gut versteht und sich liebhat :-)

    Ich hoffe, dass meine Mädels (und der Sohnemann auch irgendwie) es auch guten Gewissens hinnehmen, dass sie wie ich werden!

    Viele Grüße, Sandra

  4. Es ist schon serh beeindruckend. Auch ich sehe aus wie meine Mama und ich rede nicht nur so sondern meine Stimme hört sich auch noch so an ;-) Aber ich habe eine „coole“ Mama und bin stolz drauf das man sieht das wir zusammen gehören.

    Ich habe bei meinem Beitrag auch einen ganz wichtigen Spruch vergessen :

    Wer nicht hören will muss fühlen ….

    habe ich letztens erst spontan zu unserer Maus gesagt und mich derart erschrocken das mir die Luft weg blieb. Was muss sie auch permanent ihre Finger zwischen Stuhl und Tisch stecken. Hab es ihr ja erklärt aber…. Kinder….

    herzliche Grüße
    Andrea

  5. Hallo Daggi,
    schöner Beitrag und auch ich glaube, dass es nicht schlimm ist, wenn man viel wie die Mutter ist. Triffst bei mir auch zu. Bei dem Spruch mit dem Nase hochziehen hat mir unser HNO den Wind aus den Segeln genommen. ich war mal mit Nina dort, weil sie ständig Nasenbluten hatte. Er schaute mich an und sagte zu Nina: „Auch wenn Deine Mutter jetzt schluckt, benutze den Aufzug für mindestens zwei Wochen dann wird das wieder. Zuviel Putzen ist Gift für die Nasenschleimhäute. Setz da mal noch was gegen :-D

    Liebe Grüße
    Sandra

  6. :D
    Bei uns ist es ganz komisch: Ich möchte nach wie vor nicht allzu sehr wie meine Mutter werden, obwohl sie ganz okay ist, aber meine Tochter (12) sagt oft, dass sie so werden will wie ich. Und Sprüche – furchtbar lachen musste ich, als ich zu meiner Tochter sagte „Sabbel mal nicht so viel, iss lieber!“, weil sie (als Kleinkind) vor sich hin plapperte, und das war ein Originalzitat von meinem Vater am Mittagstisch zu mir.

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