Mein Treffen mit der selbsternannten Gottkönigin über das Rondell des Grauens

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Auf Einladung von Ulrich Burger vom gleichnamigen Verlag befinde ich mich heute im „Rondell des Grauens“, einer kleinen Reihenhaussiedlung, die Schauplatz des Buches „Helga, oder: Mit der Al Qaida nach Sibirien“ ist.

Gerade kommt Helga, die selbsternannte Gottkönigin der Reihenhaussiedlung, in ihr Wohnzimmer und stellt einen Kaffeepott und Gebäck vor uns auf den Tisch. Wir – die Autorin Rebecca Hohlbein und ich – treffen uns heute hier zu einem Interview im Vorfeld der HomBuch 2015.

Die HomBuch ist die Saarländische Buchmesse, die am 28. und 29. März 2015 in Homburg/Saar stattfinden wird und wer Rebecca Hohlbein live erleben möchte, hat dort am 29. März 2015 um 13.30 Uhr Gelegenheit dazu.

Aber zurück zum „Rondell des Grauens“. Damit Ihr Euch eine Vorstellung von Helga und dem Buch machen könnt, will ich Euch einen Einblick in den Klappentext geben:

Menscheskinners – wie sieht das denn hier schon wieder aus?“ Helga, selbsternannte Gottkönigin über unsere kleine Reihenhaussiedlung, ist im Anmarsch – und damit beginnen viele weitere, schier endlosen Stunden meines ganz alltäglichen Elends zwischen Al Qaida und Kö, ALDI und Australien, Familie, Feuer und Wirbelsturm. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie und lakonischem Humor beschreibt die Ich-Erzählerin ihr Leben im „Rondell des Grauens“. Aber dann verschwindet Alleinherrscherin Helga plötzlich – und auf einmal ist alles noch viel, viel schlimmer …

Rezension

 

Liebe Helga, Rebecca Hohlbein schreibt im Nachwort des Buches, dass es sich um keine Autobiographie, sondern lediglich um eine autobiographisch angehauchte Geschichte handelt. Sie hat jede Peinlichkeit, die ihr und ihrem Umfeld je unterlaufen sind, in eine einzige Figur, nämlich Sie, liebe Helga, komprimiert. Was sagen Sie dazu?

Helga: Bitte, was bin ich? Angehauchte Geschichte? Dir geb ich gleich angehauchte Geschichte! Ich bin ja noch lange nicht von gestern!

Rebecca: Pardon – ich muss da mal was klarstellen: Ich bin nicht die Ich-Erzählerin aus dem Roman. Die Erzählerin ist eine fiktive Figur, dir mir zufällig in einigen Punkten ähnelt und

Helga: Fiktive Gestalt! Jetzt wirst du auch noch obszön! Du weißt aber schon, dass das alles hier morgen in irgendeiner Zeitung steht, oder?

Rebecca: Ja, Helga.


Rebecca, wie haben wir uns die Entstehung der Geschichte vorzustellen? Hast Du jahrelang Buch geführt über das, was in Deiner Familie und Deinem Freundeskreis passiert ist?

Rebecca: Ich habe viele echte Anekdoten aus meinem richtigen Leben in die Geschichte integriert. Ich führe so etwas wie ein Tagebuch, in dem ich außergewöhnliche oder besonders lustige Anekdoten aus meinem Alltag in Kurzgeschichtenform festhalte. Aber ein Großteil des Romans ist erstunken und erlogen.

Helga: Sag ich doch! Die lügt, sobald sie den Mund aufmacht!


Beim Lesen des Buches habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es hier im Rondell des Grauens aussehen mag. Helga, gibt es Leser und Fans, die hierher pilgern, um sich die Originalschauplätze anzuschauen? Und was hat sich mit der Veröffentlichung des Buches für sie geändert?

Helga: Das Buch, das Buch…! Als ob diese jungen Leute wegen diesem Buch hierherkommen! Nee, die wollen Autogramme von mir. Und dass ich ihnen was vorsinge. Aber ohne Fleiß kein Preis. Ich hab für jeden was zu tun.

Rebecca: Du lässt deine Fans für dich arbeiten, Helga? Blumen gießen, Katzen füttern und solche Sachen?

Helga: Nur, wenn sie mich dafür bezahlen.


Rebecca, viele Autoren pflegen den Kontakt zu ihren Lesern über Facebook, Twitter, einen Blog oder eine Homepage. Du bist ebenfalls im Internet präsent. Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Deinen Lesern, wie wichtig sind Dir Rezensionen und wie gehst Du ggf. mit Kritik um?

Rebecca: Ich habe eine sehr lebendige FB-Seite und stehe – im Rahmen meiner Möglichkeiten – gern im engen Austausch mit meinen Lesern. Grundsätzlich neige ich zwar dazu, mein eigenes Ding nach meinen persönlichen Vorstellungen durchzuboxen, aber ich lasse mich von den Wünschen und der Kritik der Leser gern inspirieren – von den guten genau so wie von den schlechten.


Helga, wie verläuft ein typischer Tag in Ihrem Leben?

Helga: Ach, da hat sich nicht viel geändert. Wissen Sie: Die vom Fernsehen, vom Radio und von den Zeitungen, das sind ja auch alles ganz normale Menschen wie Sie und ich. Die stinken auch beim Kacken. Ab und zu fahren die Mädchen mich jetzt mal zu einem Interview oder einem Konzert, wo ich dann meine Lieder singe. Eeer gehört zu miiiiir, wie mein Naaame an der Tüüüüür…

Rebecca: Nicht singen, Helga. Bitte nicht singen!

Helga: Aber die jungen Leute finden das schön!

Rebecca: Mag sein. Aber du solltest die Frage beantworten. Was machst du meistens so den ganzen Tag?

Helga: Einkaufen, weißt du doch. Und mich um die Tiere kümmern. Und um den Garten. Das ist ja auch wichtig, wie der Garten aussieht, wissen Sie? Zeig mir deinen Garten, und ich sag dir, wer du bist…


Greifen Sie gelegentlich zu einem Buch oder bleibt dafür keine Zeit?

Helga: Ich les schon lange nix mehr. Das mussten wir ja damals in der Schule schon genug, das kennen Sie bestimmt. Das reicht dann auch für ein ganzes Leben. Aber die „Blumenfee“, die kaufe ich mir immer. Und da lese ich auch die Deko-Tipps. Man lernt ja nie aus.


Rebecca, im Internet ist zu lesen, dass Du als Autorin versuchst, eine Brücke zwischen Jugendbuch und Fantasyroman zu schlagen. Wenn Du selbst zu einem Buch greifst, hast Du ein Lieblingsgenre oder einen Lieblingsautoren? Bevorzugst Du „echte“ Bücher oder eBooks?

Rebecca: Da bin ich sehr altmodisch. Ich muss ein Buch in den Händen halten, mit Eselsohren und Kaffeeflecken verhunzen und neben den Sessel fallenlassen können. Ich will es zu den anderen verranzten Schinken ins Regal stellen und vor mir selbst damit angeben können, darum besitze ich kein einziges ebook. Wahrscheinlich ist es auch sehr unbefriedigend, eine Speicherkarte in einer Vitrine zu drapieren und zu sagen: Das habe ich alles gelesen…! Es muss also schon ein Buch aus Papier mit Druckerschwärze sein – vorzugsweise von Matt Ruff, Christopher Moore oder Terry Pratchett. Aber ich schmökere auch unvoreingenommen und oft mit ähnlicher Begeisterung in vielen anderen, unterschiedlichen Genres; ausgenommen düstere Fantasy und Science Fiction. Das ist nicht so mein Fall. Ich mag es humorvoll und bunt.

Helga: Räum lieber mal deinen Garten auf.


Helga, was steht bei Ihnen in nächster Zukunft an? Möchten Sie weiter im Rampenlicht stehen oder sehnen Sie sich nach Ruhe und Normalität?

Helga: Ach, mal gucken, was der Tag so bringt. Vielleicht mache ich noch so eine CD, aber nur wenn der Jürgen Drews auch mitsingt. Oder was mit Fernsehen. So was wie „Wo Grafen schlafen“, kennen Sie das? Das wäre schön. Aber das geht nur, wenn ich auch meine Hunde immer mitnehmen darf, ohne Sissi und Franz mache ich das nicht.


Rebecca, arbeitest Du aktuell schon an einem neuen Projekt und wenn ja, kannst Du uns schon mehr darüber verraten?

Rebecca: Ja und nein.

Helga: Bisschen verschnupft die Dame, oder was?

Rebecca: Ich muss mal.


Bevor wir uns verabschieden und gehen, beobachte ich, wie Helga den Kaffeetisch abräumt und umständlich die Platzdeckchen zurecht rückt. Sie erinnert mich gerade an eine frühere Nachbarin. Haben wir vielleicht alle eine Helga zuhause? Eine Helga, der nichts entgeht, über die man sich gerne beklagt, die einem aber fehlt, wenn man sie tagelang nicht gesehen hat?

Mein Dank für dieses Interview geht an Rebecca Hohlbein!


Rebecca Hohlbein ist 1977 in Neuss geboren, wo sie noch heute mit ihren beiden Söhnen lebt – Tür an Tür mit ihrer Großfamilie. Schon während des Fachabiturs veröffentlichte sie (teils unter Pseudonym) Kurzgeschichten und Kinderbücher. Ihre anschließend folgenden Jugendbücher und Romane für junge und junggebliebene Erwachsene zeichnen sich vor allem durch den Versuch aus, eine Brücke zwischen Fantasy-Roman und Jugendbuch zu schlagen. Neben ihrer Arbeit als Autorin malt, modelliert und schauspielert sie leidenschaftlich gern im vorwiegend privaten Rahmen.

Quelle: Ulrich Burger Verlag – UBV

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