Fluch und Segen des Internets

 

IMG_20150625_173414edit: Vielen Dank für Eure Reaktionen, Tipps und die Unterstützung. Es war sehr interessant, zu sehen, welche Ausmaße diese Abschreiberei zwischenzeitlich angenommen hat, das finde ich ganz schlimm.

Wir haben zwischenzeitlich eine Antwort erhalten, die Note wurde auf 3- angepasst und ich bin froh, dass es so ausgegangen ist.

Meine Lehre daraus ist, dass ich Gastbeiträge künftig viel deutlicher kennzeichnen werde.

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Eigentlich müsste man meinen, dass ich nach fünf Jahren als Blogger genug über Plagiatsvorwürfe und den Klau von Bildern und Texten im Internet weiß, um richtig zu agieren. Aber heute muss ich mich wirklich in den Hintern beißen, denn ich habe es geschafft, meiner Großen eine schlechte Deutschnote zu bescheren, schlichtweg, weil ich nicht weit genug gedacht habe.

Im März hat sie mir erzählt, dass sie in der Schule ein Buch vorstellen soll und wollte dafür gerne eines von Gregs Tagebüchern heranziehen. Leider hatten einige Mitschüler die gleiche Idee und so haben wir uns nach einer Alternative umgesehen. Viele von Euch wissen ja bereits, dass ich ein großer Fan von Christoph Marzi bin. Daher habe ich das Buch „Piper und das Rätsel der letzten Uhr“ gekauft. Im Gegensatz zu mir ist meine Tochter aber keine große Leseratte und so hat es einige Zeit gedauert, bis sie das Buch beendet hat.

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Um sie ein wenig zu begeistern, habe ich sie Ende März mitgenommen zur HomBuch, wo wir gemeinsam drei Lesungen besucht haben, unter anderem die von Christoph Marzi. Anschließend haben wir unsere Bücher noch signieren lassen und ich glaube, es hat ihr ganz gut gefallen, dass der Autor sie nach dem Namen gefragt hat, um das Buch mit einer ganz persönlichen Signatur zu versehen :)

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Letzte Woche war es dann soweit. Sie hat ein Foto des Buches ausgedruckt und eine Inhaltsangabe und auch eine kurze Bewertung zum Buch geschrieben. Danach hat sie mehrfach geübt, wie sie das Buch vorstellen will und hat mir eine Textstelle gezeigt, die ihr gut gefallen hat. Zusammen haben wir dann überlegt, was davon sie vorlesen könnte, um die anderen Kinder neugierig zu machen.

Ja, ich weiß, beim eigenen Kind ist man sehr subjektiv, aber mir hat die Buchvorstellung inhaltlich gut gefallen, nur ist sie niemand, der gern im Rampenlicht steht, weswegen sie etwas Bammel vor ihrem Vortrag in der Schule hatte.

Dennoch war ich sehr zuversichtlich, dass sie eine gute Leistung abgeliefert hat … bis heute.

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Sie hat geweint, weil sie sich keiner Schuld bewusst war und ich war schließlich dabei, als sie ihre Inhaltsangabe entworfen hat. Im ersten Moment war ich geschockt, denn ich wusste nicht, wie ich ihr helfen sollte. Als Rezensent kennen wir es, dass Inhaltsangaben ähnlich sein können.

Als meine Tochter sagte, sie soll es praktisch wortwörtlich abgeschrieben haben, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich hatte ihre Buchvorstellung für die Rezension hier auf meinem Blog benutzt und wenn die Lehrerin die ersten Sätze aus der Inhaltsangabe durch die Internetsuche laufen lässt, stößt sie auf meinen Artikel. Dass dies hier mein Blog ist, kann sie nicht wissen und dass die Rezension erst nach der Buchvorstellung online gegangen ist, das erkennt man wahrscheinlich auch nicht auf einen Blick.

Ihr Lieben, ich kann Euch gar nicht sagen, wie schlecht es mir gerade geht. Sie tut sich doch eh schon schwer in der Schule und ich versuche immer und immer wieder, sie für Bücher zu begeistern, weil ich hoffe, dass sich mit dem Lesen auch ihre Rechtschreibung verbessern wird. Es gab in diesem Schuljahr nur eine Handvoll Projekte, für die sie sich wirklich begeistern konnte und diese Buchvorstellung war eines davon. Ich habe mich so sehr gefreut, dass ich sie für Christoph Marzi begeistern konnte, dass sie mitgekommen ist zur Buchmesse und dass er sich ein paar Minuten Zeit genommen hat, um mit uns zu reden. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was für ein Hochgefühl das war, als sie mich auf dem Heimweg gefragt hat, wie man Autor wird und ob jeder Bücher schreiben kann, das war für mich so ein kleiner Durchbruch.

Das Schlimmste ist einfach, dass meine Tochter überhaupt nicht versteht, dass sie betrogen haben soll, sie hat ja auch nichts falsch gemacht hat. Die Buchvorstellung hat sie in eigene Worte gefasst und ich habe lediglich darauf geachtet, dass sie es schön und fehlerfrei schreibt. Klar weiß sie, dass ich im Internet Bücher bewerte und ich habe ihr vorhin schon gesagt, dass ihre Lehrerin bestimmt meine Seite im Internet gefunden hat und dachte, dass sie dort abgeschrieben hat, aber das ändert natürlich nichts daran, dass sie niedergeschlagen ist.

Ich habe die Lehrerin vorhin angeschrieben, aber ich weiß nicht, ob mein Erklärung etwas bewirken kann :(

Danke, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, den ganzen Artikel zu lesen und wenn es nicht zuviel verlangt ist, dürft Ihr mir auch gerne noch ein paar liebe Worte hinterlassen, ich fühl mich nämlich gerade so schlecht, dass ich das gut gebrauchen könnte.

27 Gedanken zu „Fluch und Segen des Internets“

  1. Liebe Daggi, das ist ja schrecklich und ich leide mit dir ♥ ich hoffe, es klärt sich und drücke euch ganz fest die Daumen!!!
    Dicker fetter Umärmler ♥
    PS: bitte sag uns/mir, wie es ausgegangen ist!
    PSPS: du hast dann sozusagen von deiner Tochter abgeschrieben? :D

    1. Sagen wir es mal so, ich hätte es deutlicher herausstellen müssen, dass der Entwurf dazu von ihr war. ;)

      Am WE soll eine Gastrezension von einer Challengeteilnehmerin online gehen, die werde ich mir vorher nochmal ganz genau anschauen…

  2. Das ist ja eine ganz große Shit-Happens-Schaizze!!!! Viel schlimmer als die Note finde ich aber die Bemerkung zur Note „Das ist Betrug!“ – denn das ist schon sehr hart für jemand in dem Alter. Jetzt hoffen wir mal, dass die Lehrerin mit sich reden lässt, bzw. vielleicht kannst du über Verbindungslehrer, Direktor oder so was erreichen. Es gibt Eltern, die schicken in solchen Fällen ihren Anwalt.
    Ansonsten: Kopf hoch!
    LG
    Sabiene

    1. Liebe Sabiene,

      ich habe in gewisser Weise schon Verständnis, denn wenn die Lehrerin davon ausgeht, dass ein Schüler betrogen hat, dann wird ihr mit Sicherheit daran gelegen sein, das Ausmaß ganz deutlich zu machen und dann ist so ein harter Vorstoß vielleicht lehrreich.

      Nur hat sie G. nicht betrogen und entsprechend hat es sie auch sehr hart getroffen, da gebe ich Dir recht.

      Natürlich setze ich mich auch für mein Kind ein, aber ich halte nichts davon, riesige Geschütze aufzufahren. Ich habe die Lehrerin angeschrieben und hoffe, dass ich zumindest den Betrugsverdacht aus der Welt schaffen kann, das ist mir am Allerwichtigsten. Die Note ist da zweitrangig. Ich muss ja auch in Betracht ziehen, was Iris schreibt, vielleicht war die Leistung nur ausreichend und wir müssen froh sein, dass sie wegen des Betrugsverdachts keine 6 bekommen hat.

      LG

      1. Die Iris hat natürlich auch Recht. Und tatsächlich ist der Betrugsverdacht ein Kainsmal.
        Eigentlich hast DU ja abgeschrieben, denn du hättest die Passagen deiner Tochter als Zitat kennzeichnen müssen. So was von Guttenberg!!! ;-)
        Ich hoffe für euch, dass ihr eine Regelung findet und das deine Tochter nicht ganz vom Glauben abkommt.
        LG
        Sabiene

  3. Auweia, das ist ja schon fast ein Klassiker, denn ich habe als Deutschlehrerin auch immer wieder mit diversen Betrugsfällen wegen 1:1 Übernahmen aus dem Netz zu tun in Hausaufgaben, Referaten, Klausuren etc. Neutral betrachtet muss ich dir da leider sagen, dass deine Tochter noch von Glück sagen kann, dass sie dafür keine 6 bekommen hat. So handhaben wir das nämlich, allein schon um die Kids von solchen Aktionen abzuhalten.

    Ich würde an deiner Stelle wirklich offen mit der Lehrerin reden und ihr sagen, dass es dein Blog ist und der Textbeitrag dort von deiner Tochter stammt. Vielleicht glaubt sie dir das ja. Allerdings kommt es dazu auch irgendwie darauf an, ob das, was im Artikel steht zu den sonstigen Leistungen deiner Tochter passt. Wenn die Lehrerin überzeugt werden kann, dann hast du echt Glück. Ich persönlich zähle da eher zu den Hardlinern, die herzerweichende Geschichten nicht glauben, damit alle Schüler irgendwie gleich behandelt werdenund Noten kein Effekt von Tränendrüsen sind. Außerdem kommt es sicherlich auch darauf an, was für Ausredenstories die Lehrerin ansonsten im Schulalltag so aufgetischt bekommt.Da sträuben sich einem nämlich oft wirklich die Haare.

    Trotzdem wünsche ich euch viel Glück, würde dir aber wirklich raten, das Ganze sehr nüchtern anzugehen. Damit hättest du bei mir mehr Chancen als mit einem gefühlsüberladenen Mutterherz-Vorstoß.Bitte nimm das jetzt nicht persönlich. Ich versuche nur einfach mal die „Gegenseite“ darzustellen. Und bitte berichte mal, wie es ausging.

    Fühl dich gedrückt!
    Iris

    1. Danke Iris. Ich nehme das nicht persönlich, ich bin Dir ja dankbar für Deine Meinung.

      Ich habe mir bisher nur Gedanken darüber gemacht, dass ich den Verdacht ausräumen kann, dass sie willkürlich aus dem Internet abgeschrieben hat. Aber Du hast mich jetzt darauf gebracht, dass es natürlich auch so aussehen könnte, als ob sie von mir abgeschrieben hat. Allerdings bin ich der Meinung, dass man einen Unterschied in der Ausdrucksweise erkennt. Ich habe sie bewusst das schreiben lassen, was sie schreiben wollte, damit es ihre Arbeit ist und nicht meine. Allerdings habe ich G. auf Rechtschreibfehler hingewiesen, das entspricht nun natürlich nicht mehr ihrem üblichen Leistungsvermögen, da sie doch recht ausgeprägte Probleme mit der Rechtschreibung hat.

      Es ist einfach schade, weil sie sich in diesem Schuljahr nicht oft so reingehängt hat, wie in diese Buchvorstellung und mich belastet, dass ich das versaut habe. Wenn es auch ohne den Betrugsverdacht eine schlechte Leistung gewesen ist, dann kann ich mit der Note leben, auch wenn sie sich natürlich mehr erhofft hatte. Aber es wäre mir schon lieb, wenn ich klar stellen könnte, dass G. nicht betrogen hat.

      1. Du wirst es klarstellen, mehr kannst du nicht tun. Und dabei nimmst du die „Schuld“ auf dich. Auch wenn dadurch die Note, weil es ums Prizip geht, vielleicht nicht gerettet werden kann, so schaffst du es vielleicht, den Ruf deiner Tochter wieder in Ordnung zu bringen, Daumen sind gedrückt.

        1. Danke Iris, genau das habe ich Sabienes gerade geantwortet. Du hast mich darauf gebracht, dass die Leistung möglicherweise nur ausreichend war und wir froh sein müssen, dass sie keine 6 bekommen hat.

  4. Liebe Daggi, das tut mir aber auch total leid.. Die Arme!! Kannst Du dem Lehrer nicht genau erklären, wie es zustande gekommen ist? Das ist ja wirklich richtig übel..
    Liebe Grüße und eine Umarmung für Deine Tochter
    Annette

  5. Das arme Mädel! Die Lehrerin hat aber sehr unsorgfältig gearbeitet, wenn sie nicht gemerkt hat, dass dein Post erst nach der Vorstellung online ging. Ich halte sonst nicht viel von Eltern, die sich ständig bei den Lehrern beschweren, aber hier wurde deine Tochter eindeutig ungerechtfertigt schlecht benotet. Wenn der angebliche „Betrug“ der einzige Grund für die Note war, würde ich im Notfall sogar zur Schulleitung gehen.

    1. Dass sie unsorgfältig gearbeitet hat, finde ich nicht. Wenn ich die ersten Zeilen der Buchvorstellung bei google eingebe, kommen zwei Suchergebnisse zu meinem Blog. Da muss man nicht mal den Artikel anklicken, um auf den Blog zu gelangen, objektiv gesehen, würde die Suchergebnisseite schon ausreichen.

      Ich halte auch nicht viel davon, mich ständig bei Lehrern zu beschweren, gerade in der heutigen Zeit, wo die sogenannten Helikoptereltern ihre Kreise über den Kindern ziehen, kann ich mir gut vorstellen, dass es sehr anstrengend ist.

      1. Klar reicht die Suchergebnisseite schon aus, aber da sieht man ja das Veröffentichungsdatum der entsprechenden Seite gleich neben dem Link, wenn man da nur ein kleines Bisschen darauf schaut, sieht man es problemlos auf den ersten Blick. Dazu muss man den Post nicht öffnen/anklicken.

        1. Genau das ist das Problem, wenn ich das Suchergebnis anschaue, ist das ein Link zu den mit „arena Verlag“ getaggten Artikeln und es wird der 18.12. angezeigt. Ich hab das überprüft, das war das Veröffentlichungsdatum des vorletzten Artikels, den ich mit Arena getagged habe.

          Ich weiß leider nicht, warum das so ist. Das tatsächliche Veröffentlichungsdatum sieht man nur, wenn man den Artikel anklickt.

          Da hat also einiges zusammen gespielt :(

  6. Hallo Daggy!

    Ich drücke die Daumen, daß sich das Mißverständnis ausräumen läßt. Ich hoffe aber schon, weil ja jetzt die Hintergründe klar sind, die die Lehrerin vorher ja nicht wissen konnte (wo ist hier eigentlich das Impressum?).
    Alex googlet auch prinzipiell alles und hat da schon mehrfach 6en verteilt, weil kackfrech abgeschrieben wurde.
    Ich bin jedenfalls gespannt, wie das Ganze ausgeht!

    Liebe Grüße
    Kerstin

      1. Bin ich blind? Ich find das hier auf der Seite nicht?!

        Zu Aglayas Beitrag: Wenn ich Lehrerin wäre, hätte mir das Ergbenis so wohl auch gereicht. Ich wäre ganz sicher nicht davon ausgegangen, daß sich der Fall so darstellen könnte wie hier.

  7. Hallo Daggi,

    sorry ich habe deinen Artikel jetzt erst gelesen. War mir irgendwie durch die Lappen gegangen. Was da passiert ist, ist ja wirklich mistig. Wäre es nicht so traurig, vor allem für deine Maus, hätte es fast Slapstickformen. Ich hoffe, dass die Lehrerin ein Einsehen hatte und anerkannt hat, dass der Text von deiner Tochter ist. Das wird zwar die Traurigkeit und den Schock bei ihr nicht wegnehmen, aber wenigstens könnte man diesen Vorwurf, den ich zu hart fomuliert finde für diese Klassenstufe, man kann das sicher besser verpacken, zumindest zurücknehmen. Das was Iris von der „anderen Seite“ erklärt ist auch einleuchtend, deshalb ist nüchtern rangehen vermutlich ein guter Tipp. Mir war gar nicht klar, dass tatsächlich soviel aus dem Netz genommen wird um Hausaufgaben zu bewältigen, wie sie erzählt. Das hilft euch aber nicht weiter, weil es ja anders war. Gibt es denn jetzt eine Reaktion dazu? Ich drücke jedenfalls die Daumen, vor allem auch, dass deine Kleene jetzt nicht völlig unmotiviert ist.

    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Mir war vorher auch nicht klar, dass es solche Dimensionen angenommen hat, aber ich habe Reaktionen von einigen Lehrerinnen erhalten und alle sagen das gleiche. :(

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