Machtlos von Alex Berg

„Machtlos“ war wieder einmal eine Zufallsentdeckung in unserer Stadtbücherei. Dort gibt es einen Drehständer, in den im wöchentlichen Wechsel Bücher unterschiedlichen Genres aus den letzten zwölf Monaten gepackt werden. Das Cover hat mich nicht unbedingt angesprochen, aber als ich den Klappentext gelesen habe, habe ich es gleich mitgenommen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Das Buch ist von der ersten Minute an spannend. Gleich zu Beginn wird die Anwältin Valerie Weymann, die geschäftlich für einen Tag nach London fliegen wollte, am Flughafen Hamburg aufgehalten und an Beamte von BND und CIA übergeben. Es folgen Verhöre durch die Beamten, in denen Valerie mit angeblichen Attentätern der Al-Qaida in Verbindung gebracht wird, Menschen, denen sie glaubte, sehr nahe zu stehen.

Es folgt ein Attentat in Hamburg, das einem dieser Personen aus ihrem persönlichen Umfeld zugeordnet werden kann. Innerhalb kürzester Zeit wird Valerie nach Osteuropa verschleppt, in ein geheimes Gefängnis der CIA. Ihr Mann glaubt an ihre Unschuld und will kämpfen. Aber er stößt überall auf Mauern und kann erst kleine Erfolge verbuchen, als er sich an ein Menschenrechtsorganisation wendet, deren Mitarbeiterin seinen Erzählungen uneingeschränkt Glauben schenkt.

Als der Leser auch noch erfährt, dass Valeries Wille bricht und sie beginnt, Falschaussagen zu machen, nur um in Ruhe gelassen zu werden, gibt man sie als Leser manchmal auf.

Durch die Spannung, die eben gleich zu Anfang aufgebaut wird, war ich so fasziniert von der Geschichte, dass ich immer weiter und weiter lesen wollte. Es gibt in diesem Buch nichts, was unwichtig erscheint, was man überfliegen könnte. Die Spannung wird bis zum Schluss gehalten.

Das Ausmaß dessen, was Valerie passiert, ist grösser, als man es sich  zu Beginn hätte vorstellen können. Teil I beginnt mit einem Zitat aus der Charta der Menschenrecht der Vereinten Nationen: „Jeder der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, hat das Recht, als unschuldig zu gelten, solange seine Schuld … nicht nachgewiesen ist.“ Was Valerie in Rumänien erlebt, ist demnach unvorstellbar und furchtbar. Aber nach allem, was wir in den letzten Jahren über Murat Kurnaz und Guantanamo gehört haben, kann es genau so passieren. Und spätestens nach dem Lesen dieses Buches wird klar, dass es jedem von uns überall passieren könnte.

Ein genial recherchierter Politthriller, den ich uneingeschränkt empfehlen kann. Da ich am Ende des Buches den Eindruck hatte, dass Raum für eine Fortsetzung gelassen wird, habe ich ein wenig gestöbert und entdeckt, dass Machtlos der Auftakt einer Reihe um Valerie Weymann und den BND-Agenten Eric Mayer bilden soll. Das 2. Buch von Stefanie Baumm alias Alex Berg folgt im November 2011 und wird „Die Marionette“ heissen.

Ein Gedanke zu „Machtlos von Alex Berg“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.