Die Besucher von Kurt Palm

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Dieses Buch wurde mir zu Rezensionszwecken von Blogg Dein Buch zur Verfügung gestellt. Ich wurde gebeten, Blogg Dein Buch und den Verlag zu verlinken. Für diesen Artikel habe ich jedoch keine Bezahlung und auch keine anderen Gegenleistungen erhalten.

 

Von Blogg Dein Buch habe ich Ende Februar eine Zusage für „Die Besucher“ von Kurt Palm erhalten. Da ich bis dahin viel Gutes über den Vorgänger „Bad Fucking“ gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf das Buch, das Mitte März vom Residenz Verlag aus Österreich bei mir angekommen ist.


Die Besucher
von Kurt Palm
Residenz Verlag
280 Seiten
21,90 EUR
ISBN: 978-3-701715-879


Zum Inhalt:

Martin Koller, Anfang 40, verheiratet mit Paula, Journalist, hatte einen schweren Hörsturz und befindet sich in einer Klinik. In den vergangenen Nächten konnte er wegen der Geräusche in seinem Ohr nicht mehr richtig schlafen und auch Schlaftabletten helfen ihm nicht.

Schliesslich verschreibt man ihm Antidepressiva und Tranquilizer und entlässt ihn nach Hause, ohne, dass es ihm besser geht. Die Geräusche in seinem Kopf lassen nur selten nach, verschwinden nie. Dazu kommt, dass Martin Koller sich einbildet, nun impotent zu sein.

Die Beziehung zu seiner Frau steht schon auf wackeligen Beinen, während er auf keinen Fall ein Kind möchte, schluckt seine Frau Hormonpräparate und weisst auf ihren Zyklus und die Notwendigkeit des zweitgenauen Geschlechtsverkehrs hin.

Darüber hinaus informiert ihn ein Kollege darüber, dass sein Chef einen Volontär protegiert und Kollers Job damit auf der Kippe steht. Der Volontär beschäftigt sich mit Brandanschlägen, die vermutlich einen rechtsradikalen Hintergrund haben. Diese Reportage war eigentlich Koller zugeordnet.

Da dürfte es Martin Koller entgegen kommen, dass seine Schwester Babsi dringend eine Kur benötigt und er in der Zwischenzeit in seinem Heimatort Schwarzmoor bei seiner im Sterben liegenden Mutter bleiben soll. Koller hatte den Kontakt zu seinem Elternhaus fast abgebrochen, da er sich mit seinem Bruder überworfen hatte, weil der ständig finanzielle Unterstützung der Eltern wollte. Kurz vor seiner Abfahrt nimmt ein Mitglied der rechten Szene, ein frühere Schulkamerad von Koller, Kontakt zu ihm auf und will sich mit ihm treffen.

Während seiner Fahrt nach Schwarzmoor fällt eine Krähe vom Himmel und als er aus seinem Wagen aussteigt, entdeckt er einen Schwarm weiterer toter Tiere. Absurderweise hat Martin einen Schwarm Krähen am Himmel entdeckt, als er wenige Tage zuvor im Krankenhaus am Fenster stand.

Babsi informiert ihren Bruder darüber, welche Medikamente die Mutter wann einnehmen muss und auf was er in den kommenden Tagen zu achten hat. Außerdem übergibt sie Koller eine Notiz mit der Telefonnummer von Manuela, einer Internistin, die ebenfalls in Schwarzmoor aufgewachsen ist und noch dort lebt. Manuela hat vor einigen Monaten bei einem Angelunfall ihren Sohn verloren. Ihr Mann hat den Tod des Jungen nicht verkraftet, weil er ihn nicht retten konnte, die Ehe ist in die Brüche gegangen.

Martin ist entsetzt von der Vielzahl der Tabletten, die seine Mutter einnimmt. Nachdem er die Beipackzettel studiert hat, ruft er Manuela an und bittet sie darum, die Medikationen zu überprüfen. Er bringt ihr die Medikamente und als er zum Haus seiner Mutter zurück kehrt, brennt Licht im Keller. Als er nach seiner Mutter sehen will, fährt ihm der Schrecken in die Glieder, danach hat er ein Blackout und steht auf dem Dachboden, wo er eine Kiste mit Babykleidung findet. Es hat den Anschein, als ob das erste Kind der Eltern nach wenigen Monaten gestorben ist. Seine Eltern haben nie von einem weiteren Kind erzählt.

Während eines gemeinsamen Abendessens mit Manuela erhält diese einen Anruf aus der Klinik und erfährt, dass die Leiche einer nicht identifizierten Frau, die barfuss und mit einer grauen Decke aufgefunden worden war, aus der Pathologie verschwunden ist. Martin lässt Manuela mit ihren Gedanken alleine, doch kurze Zeit später fleht sie ihn telefonisch an, zu ihr zu kommen, da sie vermutet, dass jemand im Haus ist. Die beiden landen im Bett und als Koller später wieder zum Haus seiner Mutter kommt, sind sie da, die barfüssigen Besucher, die den Vorgarten, Keller, Wohn- und Schlafzimmer und den Dachboden bevölkern. Er hat keine Ahnung, was sie wollen und sie äussern sich nicht. Sie setzen sich auf ihre grauen Decken und sagen kein Wort …


Meine Meinung:

Zunächst einmal kann ich sagen, dass das Buch flüssig zu lesen ist. Da es bei dem Protagonisten durch Stress zu einem Hörsturz kam und er darüber berichtet, wie es sich anfühlt, mit den Geräuschen im Ohr zu leben, wie es ist, von den Ärzten mit Medikamenten vollgestopft und dann entlassen zu werden, weil das Bett für einen Patienten erster Klasse benötigt wird, sind die ersten Seiten schnell gelesen.

Bis Koller bei seiner Mutter ankommt, ist der Leser bereits auf Seite 130 vorgestossen. Als er die Besucher im Haus sieht, sind es 208 von 276 Seiten. Das Buch heisst „Die Besucher“, aber die Geschichte der Besucher wird auf 68 Seiten, also weniger als 25% des kompletten Buches, abgehandelt.

Der Protagonist war mir schon alleine deshalb unsympathisch, weil er seine Frau bei jeder sich bietenden Gelegenheit hintergeht.

Aber auch das Buch selbst konnte mich nicht überzeugen.

Als ich am Ende des Buches angekommen bin, war ich mehr als verwundert, denn es gab zwar ein (Pseudo-)Finale, aber nur ein geringer Teil der Handlungsstränge war zu Ende erzählt worden.

Mir ist nicht klar geworden, was am Ende mit Koller passiert ist. Die Geschichte um seine Ehe verläuft im Sand. Auf seinen finanziell klammen Bruder wird gar nicht mehr eingegangen, ganz zu Schweigen von der Schwangerschaft von dessen Freundin.

Koller hat sich von zu Hause aus per Mail mit seinem zwischenzeitlich der rechten Szene angehörenden Schulkameraden Walter verabredet, auch, um sich im Job wieder Pluspunkte zu verschaffen, nachdem er aber in Schwarzmoor eingetroffen ist, ist davon keine Rede mehr.

Mir hat sich nicht erschlossen, ob die Krähen eine Rolle spielen sollen und wenn ja, welche. Die Frage, ob die Mutter zu viele Medikamente nimmt, ist in der Folge auch uninteressant. Ich gehe davon aus, dass diese Passage notwendig war, damit Koller und Manuela im Bett landen können, wobei die Bettszenen einfach nur plump waren. Im Übrigen gibt es weitere Szenen, in denen das Sperma von Martin eine Rolle spielt, auch hier frage ich mich im Nachhinein, was der Autor mit diesen Ausführungen bezweckt hat.

Unter dem Rückentext ist ein Satz der Hamburger Morgenpost zu lesen: „Ein Meister der Groteske!“

Auch wenn das vermutlich positiv gemeint war, trifft grotesk genau meinen Eindruck, denn „Die Besucher“ würde ich mit Eigenschaften wie abstrus, bizarr, seltsam, sonderbar, verworren … belegen.

Ich hatte mir im Vorfeld einiges versprochen, bin aber am Ende verwundert und auch ein wenig enttäuscht, daher von mir leider nur zwei von fünf Sternen für dieses Buch.

SterneeuleSterneeule

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