EM-Abseits #14 – EM – kritisch gesehen

Die EM bringt nicht nur Freude. Seit vielen Wochen und Monaten sehen, hören und lesen wir immer wieder von Misständen in der Ukraine.

  • Bereits im Herbst 2011 wurde publik, dass in der Ukraine Strassen-Hunde getötet werden, angeblich, um die Strassen „sicherer“ zu machen. Viele tausend Tierschützer machten mobil und im November wurde von der Regierung ein Verbot der Hundetötungen verkündet.
  • Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass Studenten in der Ukraine ihre Unterkünfte räumen sollen, um den EM-Touristen mehr Unterkünfte anbieten zu können. Teilweise sollten die Studenten trotzdem weiter Miete bezahlen, eine Ersatzunterkunft soll aber nicht gestellt werden. Einige wurden sogar aufgefordert, ihre Unterkünfte vorher zu renovieren.
  • Ganz aktuell ist der Fall von Julia Timoschenko. Die frühere Ministerpräsidentin der Ukraine ist seit August 2011 in Haft. Die Anklage werteten die EU und die USA als politisch motiviert. Zwischenzeitlich war Timoschenko in der Hungerstreik getreten, um gegen die Haftbedingungen und wegen ihrer gesundheitlichen Probleme – sie soll misshandelt worden sein – zu protestieren. Die 27 Mitglieder der EU-Kommission verkündeten vor wenigen Tagen, aus Protest nicht zur EM in die Ukraine reisen zu wollen.

Nun stellt sich zum Beispiel die Frage, ob es richtig war, die EM in die Ukraine zu vergeben. Diese Diskussion gab es auch vor vier Jahren, als die Olympiade in Peking statt fand. Sicherlich sollte jedes Land die Möglichkeit haben, große Sportereignisse auszutragen. Aber meines Erachtens ist dann auch der Veranstalter, also in diesem Fall die UEFA, in der Pflicht, klare Regeln aufzustellen, da ja bekannt ist, dass hier Menschenrechte verletzt werden.

Ich bin der Meinung, dass es nicht richtig wäre, wenn die EM boykottiert würde. Die Menschen in Peking haben sich auf die Olympiade gefreut, genau so freuen sich viele Menschen in der Ukraine auf die EM. Wenn Politiker in die Ukraine reisen, haben sie dort die Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erregen. Sie könnten mit den Mitgliedern der Opposition oder mit Journalisten sprechen. Meiner Meinung nach liegt hier der grössere Nutzen, als mit Abwesenheit zu glänzen.

Aber auch die Verbände und Sponsoren dürfen sich meiner Meinung nach nicht hinter der Aussage verstecken, dass man sich nicht in Regierungsangelegenheiten einmischen wolle. In der FAZ habe ich einen interessanten Artikel gelesen, in dem vorgeschlagen wurde, dass die Unternehmen sich Ausstiegsklauseln in die Sponsoringverträge schreiben lassen könnten. Keine schlechte Idee, allerdings geht es hier um richtig viel Geld und da haben sich die UEFA und die FIFA noch nie reinreden lassen…


Dies ist der 14. Blogbeitrag im Rahmen der Aktion EM-Abseits.

Die Zusammenfassung aller Vorrunden findet Ihr bei Mendigo. Die Beiträge der anderen Spieler könnt Ihr bei Mella entdecken. Viel Spass!

6 Gedanken zu „EM-Abseits #14 – EM – kritisch gesehen“

  1. Naja, die Verbände sind auf die Sponsoren angewiesen, aber letztendlich stecken die unter einer Decke.
    Es kommt mir so vor, als würden die Verbände ganz gern das Deckmäntelchen des Sportsgeist über die Zustände in manchen Ländern breiten.

    LG
    Sabienes

  2. Für einen normal arbeitenden Geist sollte immer das unantastbare Leben im Vordergrund stehen und nicht das blöde Geld. Manchmal habe ich das Gefühl, das dieser Grundsatz so langsam abrutscht. Ich wünsche mir für die Menschen in der Ukraine eine schöne Veranstaltung und ein rasches Umsetzen von Maßnahme, die die Situation im Land verbessern.

    Liebe Grüße

  3. Irgendwie tun mir die Polen leid, denn sie werden mit reingezogen. Blockieren würde ich auch nicht, denn damit ist niemanden geholfen, eher reden, schauen und dann davon erzählen. Das wäre wichtiger.

    LG Mella

  4. @Daggi auch du hast einen sehr guten kritischen Beitrag zum Thema „Ukraine“ geschrieben. Danke dir dafür – es ist gar nicht so leicht sich da „richtig“ zu verhalten – aber einfach nichts tun ist auch der falsch Weg, da hast du sicher Recht! Danke für Deinen Beitrag! Grüßle Susanne

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