Konzerte, Küsse, Katastrophen von Inken Weiand

 

Konzerte, Küsse, Katastrophen – Beas Tagebuch
von Inken Weiand
Kinder- & Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 01. September 2012
Verlag: SCM Hänssler


Bea ist 15 Jahre alt, hat eine Familie, die aktuell wegen der Arbeitslosigkeit ihres Vaters wenig Geld hat und einen Freundeskreis, auf den sie sich mal mehr, mal weniger, verlassen kann. Sie schwärmt für Ben, der vermutlich an jedem Finger eine Freundin haben könnte und versucht, cool zu wirken, um bei ihm anzukommen. Da sie aber aus Kostengründen die Klamotten ihrer Schwester auftragen muss, rechnet sie sich keine Chance aus. Als sie mit dem Kapitel „Ben“ abschließt, müssen sie, Ben und Simon, der Neue in der Klasse, für ein Projekt in der Schule zusammen arbeiten und es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen Bea und den beiden Jungs, nur eben auf der „Guter Kumpel“- Basis.

Neben Ben hat Bea aber noch andere Baustellen, sie muss sich auf ein Schulkonzert vorbereiten, an dem sie ein schweres Geigenstück spielen soll und ihre Klavierbegleitung kommt nicht in die Pötte. Außerdem muss sie ihre Freundinnen und Schwester in Sachen Partnerschaft beraten, ohne selbst etwas über die Liebe zu wissen.

Dann ist da auch noch ihr Vater, der immer tiefer in ein Loch fällt, weil er als Rechtsanwalt keine Anstellung mehr findet, die Tatsache, dass das Geld immer knapper wird, der Geigenunterricht auf der Kippe steht und sie finanzielle Hilfe annehmen muss, um an einem Ausflug der Jugendgruppe teilnehmen zu können.

Als ob das nicht reicht, muss sie sich noch mit Anna-Magdalena (die die anderen ständig darauf hinweist, wie ärmlich Beas Familie doch ist) und Helge (der sich in sie verliebt hat) herum schlagen.

Bleibt nur zu hoffen, dass Gott sie erhört, ihrem Vater einen neuen Job schenkt und ihr einen tollen Freund…


  • Meine Meinung

Der Aufbau des Buches als Tagebuch von Bea hat mir gut gefallen, Bea macht einen sehr netten Eindruck und ihre Erzählungen sind im Großen und Ganzen schlüssig. Die Autorin greift Themen auf, die ich für sehr aktuell halte, z.B. dass der Vater eine akademische Ausbildung hat, trotzdem arbeitslos ist und keine neue Stelle findet, weil er schon Mitte vierzig ist, aber auch das Problem, dass Bea Klamotten auftragen muss und sich die Eltern keine Markenklamotten leisten können. Auch die Thematik, Hilfe anzunehmen, wird aufgegriffen, so bekommt Bea zum Beispiel von einem etwas älteren Mädchen deren ausrangierten Markenklamotten geschenkt, oder sie wird durch einen Fond finanziell unterstützt, um an einem Ausflug teilnehmen zu können.

Das Buch habe ich in Erwartung eines Romans gelesen, bei dem es um die Sorgen und Nöte von Jugendlichen geht, gerade, was die erste Liebe betrifft. Mir war bekannt, dass der Verlag, der das Buch herausgegeben hat, sich mit dem christlichen Glauben beschäftigt.

Ich selbst war in meiner Jugendzeit sehr aktiv in der Kirche, war als Messdienerin, in einer Jugendgruppe tätig und habe später selbst eine Gruppe geleitet. Trotzdem war ich mit dem Ausmaß, den der Glaube in diesem Buch spielt, zunächst völlig überfordert und habe lange mit mir kämpfen müssen, um das Buch nicht wegzulegen. Es vergeht kein Tag, an dem Bea und / oder ihre Familie nicht zu Gott beten, es werden Bibelstellen zitiert und diskutiert und auch das große Thema „Sex vor der Ehe“ wird behandelt.

Das hat mich – wie oben bereits beschrieben – überfordert und ich bin auch nicht davon überzeugt, dass es in der heutigen Zeit noch viele Jugendliche in diesem Alter gibt, die den christlichen Glauben so umfangreich „zelebrieren“. Das Thema „Sex vor der Ehe“ ist mit dem christlichen Glauben verbunden, akzeptiert, aber aus eigener Erfahrung muss ich sagen, ich habe nie darüber nachgedacht, dass mein Freund gläubig sein MUSS, diese Gedankengänge erscheinen mir unrealistisch und zwischendurch habe ich mich gefragt, wie das Buch auf jemanden wirken muss, der mit der Kirche weniger in Kontakt gekommen ist, als ich.

So, wie die Autorin diese täglichen Gebete von Bea beschreibt, habe ich ein Mädchen vor Augen, dass am Bett kniet oder mit den Eltern am Tisch sitzt, mit gefalteten Händen, zu Gott betend, eben weil die Familie als sehr gläubig dargestellt wird. Hätte die Autorin es geschafft, mir ein Bild von Bea aufzuzeigen, die nachts wach im Bett liegt, über ihr Leben nachdenkt, Gott darum bittet, dass ihr Vater wieder arbeitet findet, dieses Mädchen mit jenem Jungen zusammen kommt und sie selbst vielleicht auch noch einen Jungen abbekommt, wäre das für mich sehr viel realistischer gewesen, einfach, weil ich so eine Zwiesprache mit Gott hätte nachvollziehen können.


  • Mein Fazit:

Die Geschichte um Bea, ihre Sorgen und Nöte, die erste Liebe, ist toll und hat mir gut gefallen

Aber auch wenn ich meine Kinder – auf meine Weise – zu gläubigen Christen erziehe, kann ich mir nicht vorstellen, dass der gelebte Glaube der Familie Berger für meine Kinder in diesem Umfang nachvollziehbar wäre. Ich bin der Meinung, dass das besser hätte umgesetzt werden können und das Buch mich dann noch mehr angesprochen hätte.

3 Gedanken zu „Konzerte, Küsse, Katastrophen von Inken Weiand“

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