Archiv der Kategorie: Krimi / Thriller

Die irische Meerjungfrau von Carolin Römer

#Werbung

Dieses Buch wurde mir zu Rezensionszwecken von Blogg Dein Buch zur Verfügung gestellt. Ich wurde gebeten, Blogg Dein Buch und den Verlag zu verlinken. Für diesen Artikel habe ich jedoch keine Bezahlung und auch keine anderen Gegenleistungen erhalten.

 

Carolin Römer
Die irische Meerjungfrau
Conte Krimi 24
272 Seiten, Paperback
ISBN 978-3-941657-25-0
Preis 13,90 €


  • Zum Inhalt

Finbart (Fin) O´Malley, Detective in Dublin, wird von seiner Frau verlassen und mit samt seiner Alkoholprobleme von seinem Chef in ein kleines Nest am Ende der Welt geschickt. Das Örtchen Foley liegt an direkt an der Küste im Nordwesten Irlands. Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist eine Brücke und mit viel Glück ein kleiner Balken auf der Handynetzanzeige, wenn man sich der Brücke nähert.

Der Grund für seine Ermittlungen ist ein Van Gogh, der gestohlen wurde. Am Tatort fand man die Fingerabdrücke von Thomas Keane. Er und sein Bruder haben bis vor 10 Jahren einigen Dinger gedreht und da die beiden in Foley gelebt hatten, liegt es nahe, einen Polizisten undercover dorthin zu schicken. Das Problem ist, dass Thomas Keane vor 10 Jahren auf dem Meer verunglückt ist und für tot erklärt wurde.

In Foley stößt Fin auf mehr oder weniger redselige Iren, eigentlich eher weniger redselig, denn Fin muss feststellen, dass er einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft gegenüber steht. Nur die durchgeknallte Nora tritt ihm offen gegenüber und erzählt ihm von Gnomen und Kobolden und von Meerjungfrauen, die versuchen, die Männer zu sich ins Meer zu locken. Sie warnt ihn vor der Meerjungfrau mit den grünen Augen und den roten Haaren und prompt landet Fin genau bei der Charlie Quinn; zuerst sich übergebend vor ihren Füssen und anschließend in ihrem Bett.

Fin ist von Tag zu Tag mehr fasziniert von der mysteriösen Frau und will ihrem Geheimnis auf die Spur kommen, ohne seinen Fall aus den Augen zu verlieren. Dafür muss er nicht nur nachts auf dem Friedhof umherwandern oder den Tücken von Ebbe und Flut trotzdem. Doch je mehr er in Erfahrung bringt, desto gefährlicher wird es für ihn. Er wird entführt, auf ihn wird geschossen, aber um hinter Charlies Geheimnis zu kommen und zu erfahren, ob O’Malley den Van Gogh und die Diebe findet, müsst Ihr das Buch schon selbst lesen.


  • Meine Meinung

In den ersten Kapiteln wird Fin vorgestellt, der Leser lernt Foley und seine Bewohner kennen, erfährt aber erst nach und nach, was Fin nach Foley verschlagen hat. Das Buch ist daher am Anfang gar nicht spannend und das Gefühl, weiterlesen zu müssen, bleibt erst einmal aus. Dann erfährt der Leser mehr über die Kriminalfälle, in die die Keane-Brüder verwickelt waren, sowie über ein gestohlenes Rennpferd und je offensichtlicher es wird, dass die Fäden in Foley zusammen laufen, desto spannender wird die Geschichte.

Die Autorin präsentiert das Dorf und die Bewohner mit einem ganz eigenen Witz und Charme. Das Buch ist nicht anspruchsvoll und durch den flüssigen Schreibstil von Carolin Römer leicht zu lesen. Sie bringt dem Leser das Land, die Leute und die Natur näher, so dass das Buch durchaus unterhaltsam ist.

Auch die Keane-Brüder, die ja eigentlich Verbrecher sind, waren mir sehr sympatisch. Vielleicht, weil sie immer ein wenig schlauer als die Ermittlungsbeamten dargestellt wurden. Das zeigt auch folgende Geschichte:

Die Keanes hatten durch Geldwäsche eine Million Euro erwirtschaftet. Die Polizei riegelte die Brücke ab und alle Telefone des Dorfes wurden angezapft, um einen Hinweis auf den Aufenthaltsort der Brüder oder den Verbleib des Geldes zu erhalten.

Jack und Thomas hatten es sich zur Gewohnheit gemacht, jeden Herbst den Kartoffelacker der Großmutter umzugraben, aber das musste dieses Jahr wohl ausfallen. Frühmorgens klingelte bei der Großmutter das Telefon und eine Stimme sagte nur einen Satz. Sie möge das Geld bloß im Garten liegenlassen und auf keinen Fall anrühren. Oma Agnes konnte damit wenig anfangen, aber die Polizei, die das Telefon abgehört hatte, pflügte das Gelände innerhalb einer Stunde um.

Fasziniert hat mich, dass die Autorin auf wahre Begebenheiten eingeht. So gibt Fin vor, Journalist zu sein und Nachforschungen anzustellen zu dem oben erwähnten teuren und erfolgreichen Rennpferd, welches in den 80er Jahren in Irland verschwunden ist. Gibt man den Namen „Shergar“ bei google ein, spuckt beispielsweise Wikipedia aus, dass  das Pferd des Aga Khan 1983 von einem Gestüt im County Kildare, Irland, gestohlen wurde und nie mehr aufgetaucht ist. Genau das verwendet Carolin Römer in ihrem Buch.

Das Ende der Geschichte um Charlie und Fin bzw. den verschwundenen Van Gogh ist so nicht vorhersehbar und mir persönlich zu unglaubwürdig. Auf den letzten vier bis fünf Seiten bringt Carolin Römer das Buch aber doch noch zu einem für mich versöhnlichen Abschluss.

Insgesamt konnte mich das Buch aber nicht 100%ig überzeugen, daher vergebe ich 3 von 5 Sternen für das Erstlingswerk und weise darauf hin, dass die Autorin bereits einen weiteren Fin O´Malley Fall in Arbeit hat.

Ich bedanke mich beim Conte-Verlag und Blogg Dein Buch für diesen etwas anderen Krimi.

Tabu von Casey Hill

Tabu
von Casey Hill
Verlag: rororo


  • Zum Inhalt

Reilly wuchs mit ihrer Schwester Jess in Kalifornien auf, die Mutter ist mit einem anderen Mann weggegangen und in der Folge wurden sie von ihrem Vater sehr streng erzogen.

Jahre später ist Reilly eine angesehene  Forensikerin beim FBI und kehrt mit ihrem Vater in dessen Heimat Irland zurück. In Dublin leitet sie die Garda Forensic Unit (GFU). Ihr Team ist eine bunt gemischte Gruppe und kann viel von ihr zu lernen. Allerdings kommen nicht alle Ermittler mit ihr klar. Die hübsche junge Frau stößt mit ihren Methoden auf Widerstand und sogar auf Ablehnung.

Der Polizist Chris Delany geht offen auf sie zu und ihre Arbeitsweise ein. Die beiden arbeiten schnell und gerne zusammen. Die beiden brauchen die gegenseitige Unterstützung. Denn es geschehen mehrere grausame Morde. Nach und nach setzt sich das Puzzle zusammen, die Ermittler finden heraus, dass die Fälle miteinander in Verbindung stehen. Reilly kann einen Zusammenhang mit den Büchern von Sigmund Freud herstellen und das Team um Reilly und Chris findet heraus, dass bei jedem Mord ein gesellschaftliches Tabu getroffen wird. Während sie davon ausgehen, dass sie dem Mörder Schritt für Schritt näher kommen, bemerken sie zunächst nicht, dass der Mörder ihnen immer näher kommt.


  • Meine Meinung

Reilly und Chris waren mir von Anfang an sympatisch. Der Leser erfährt mehr oder weniger interessantes aus ihrem Privatleben, Chris frühere Beziehung, seine Schmerzen, Reillys Vergangenheit in den USA, die Beweggründe, ihrem Vater zu seinen Wurzeln zu folgen. Die Geschichte ist sehr spannend und deckt nach und nach eine Reihe von menschlichen Abgründen auf. Das hat das Buch richtig interessant gemacht.

Was mich ein wenig gestört hat, war, dass im ersten Teil des Buches kleine Handlungsstränge herausgestellt hatten, die am Ende gar keine Rolle spielten. Da frage ich mich, warum man die Punkte überhaupt herausgestellt hat, denn im Prinzip handelte es sich dabei dann nur um „Fülltexte“.

Casey Hill ist das Pseudonym eines Autorenteams, ein Paar, das mit seiner Tochter in Dublin lebt. Mir hat der Schreibstil gut gefallen, ich habe mich schnell in die Geschichte eingelesen und das Buch war schnell und flüssig zu lesen. Ich bin ja ein großer CSI Fan und das war mit Sicherheit auch ein Grund, warum ich Gefallen an dem Buch gefunden habe. Ich freue mich auf jeden Fall auf die angekündigte Fortsetzung.

SterneeuleSterneeuleSterneeuleSterneeule

Vielen Dank an an den Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Ich weise darauf hin, dass dies keinen Einfluss auf meine Beurteilung hat. Für diesen Artikel wurde ich nicht bezahlt und habe auch keine andere Gegenleistung erhalten.

 

In der Hitze der Nacht von Lynn Viehl

In der Hitze der Nacht
von Lynn Viehl
Verlag: Egmont LYX


Isabel Duchesne inspiziert ein Lagerhaus, dass ihr von Marc LeClare, Kandidat für das Amt des Gouverneurs von Louisiana, überschrieben wurde, damit sie ihre Pläne von einem Gemeinschaftszentrum verwirklichen kann. Im Lagerhaus findet sie Marcs Leiche und wird niedergeschlagen. Die Lagerhalle brennt ab und sie kann im letzten Moment entkommen.

Ausgerechnet ihr Ex Jean-Del Gamble ermittelt in diesem Mordfall. J.D. ist Kreole, entstammt einer angesehenen und reichen Familie, die Marc LeClare persönlich kannte. Schnell wird klar, dass seine damalige Beziehung zu Isabel zum Scheitern verurteilt war, weil Isabel eine Cajun und im ärmlichen Bajou aufgewachsen ist. Sie wurde von seinen Freunden nicht akzeptiert und in die Mangel genommen. Diese schlimmste Nacht ihres Lebens hat sie nie vergessen. Sie ist aus J.D.s Leben verschwunden. Er hat nie erfahren, was wirklich passiert ist, kennt nur die Version seiner „Freunde“.

Und nun wird Isabel des Mordes an Marc verdächtigt und J.D., der immer noch Gefühle für Isabel hat, hilft ihr, sich zu verstecken, denn der Mörder ist auch hinter ihr her. Schnell wir öffentlich, dass der wesentlich ältere, verheiratete LeClare und die junge Cajun eine Liebesbeziehung hatten. Und einmal mehr spielt sich J.D.s Mutter in den Vordergrund und berichtet der Presse aus Isabels Vergangenheit.


  • Meine Gedanken zum Buch

Die Autorin erzählt von den sozialen Unterschieden zwischen Kreolen und Cajun, aber auch von Cajun Country, der Heimat der Cajuns, vom Atchafalaya und dem Bajou, den Sumpflandschaften … viele Infos über einen US-Bundesstaat über den ich bisher nicht viel wusste, das ganze interessant und toll verpackt in einer wunderbaren Geschichte.

Und natürlich steht der Mord an Marc LeClare und seine Aufklärung weiter im Mittelpunkt der Handlung. Denn da ist auch noch Terri Vincent, J.D.s Partnerin, die Isabel nicht traut, aber versucht, J.D. den Rücken frei und vor allem, seinen Bruder, der Isabel nie leiden konnte, von J.D. fern zu halten. Terri ist witzig, spontan und schlagfertig. Genau so beschreibt die Autorin den Handlungsstrang um ihr Privatleben.

Das Buch wird vom Verlag als Romantic Thrill geführt. Außer der Handlung um den Mord und die knisternde Beziehung zwischen Isabel und J.D. hat die Autorin auch noch einiges an Erotik eingebaut, an einer Stelle für mich persönlich etwas zuviel, aber insgesamt wirklich ein sehr lesenswertes Buch, das ich innerhalb von wenigen Stunden „inhaliert“ habe, weil ich einfach nicht aufhören konnte, weiter zu lesen.

Der nächste Romantic Thrill von Lynn Viehl. „Spiel mit dem Feuer“ erscheint im März 2012. Wie ich der Homepage des Verlages entnehmen konnte, geht es in diesem Buch um Terri und da mir die Polizistin in „In der Hitzer der Nacht“ sehr sympathisch war, freue ich mich darauf.

Das Buch an sich ist ein wenig ungewöhnlich für ein Taschenbuch. Der Umschlag ist kartoniert und hat hinten und vorne eine Klappe. Das Cover ist sehr dunkel gehalten. Die Umrisse eines Mannes, der eine Frau küsst und darunter ein dichter Wald. Der Titel ist in rot gehalten. Die Innenseiten zeigen wieder Landschaften mit vielen Bäumen und Büschen in schwarz weiss. Wirklich schön gemacht, aber für meinen Geschmack zu unauffällig, als das man es im Buchhandel entdecken würde.

SterneeuleSterneeuleSterneeuleSterneeuleSterneeule

Vielen Dank an das Literaturportal Leser-Welt, das mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Ich weise darauf hin, dass dies keinen Einfluss auf meine Beurteilung hat. Für diesen Artikel wurde ich nicht bezahlt und habe auch keine andere Gegenleistung erhalten.

 

Der Stalker gelesen von Tania Carver

Tania Carver
Der Stalker
480 Seiten
List Verlag, Berlin


  • Zum Inhalt

Phil Brennan und sein Team um Mickey Philips untersucht den Mord an einer jungen Frau, die – teilweise geschunden – aufgefunden wurde. Zeitgleich untersucht die Kollegin Annie Hepburn eine Anzeige von Suzanne Perry, die morgens aufwacht und feststellt, dass nachts jemand in ihrer Wohnung war, sie zum Teil entblösst und dann fotografiert hat. Als kleinen Morgengruss hat er das Foto mit den Worten ICH WACHE ÜBER DICH in ihrem Schlafzimmer hinterlassen.

Nur kurze Zeit später wird Suzannes beste Freundin ermordet in Susannes Wohnung aufgefunden und Suzanne ist verschwunden. Die Ermittler stoßen auf eine weitere Frau, die verschwunden ist und nach und nach wird klar, dass alle Fälle zusammenhängen. Die Polizei steht unter Zeitdruck, denn noch besteht die Hoffnung, dass die Frauen lebend gefunden werden.

Während die Polizei anfangs an einen Serientäter glaubt, nimmt der Fall eine unvorhersehbare Wendung und es  wird klar, dass viel mehr dahinter steckt, als bisher vermutet.


  • Cover

Das Buch ist recht unauffällig, es zeigt eine vermummte Person hinter einem Vorhang, die Farbkombination erinnert ein wenig an Flammen. Das erscheint mir von daher passend, dass am Ende klar wird, dass Feuer eine große Rolle im Leben des Stalker spielt. Der Name der Autorin und der Buchtitel heben sich von der glatten Oberfläche ab. Den Text auf der Rückseite des Buches hat mich etwas irritiert. Dort steht ganze unten

Profilerin Marina glaubt nicht an einen Einzeltäter. Dann gibt es das erste Mordopfer.

Das erste Mordopfer taucht bereits im 2. Kapitel auf Seite 13 auf, während Marina erst in Kapitel 77 auf Seite 334 in den Fall einsteigt.

  • Meine Meinung

Das Buch ist vom ersten Moment an spannend und das ganze 480 Seiten lang. Ich hab wieder einmal viel länger gelesen, als ich das eigentlich vor hatte und so bin ich heute morgen um 2 Uhr endlich zum Finale gekommen ;)

In meiner ersten Lesenacht hatte ich schon Bedenken, ob ich je wieder allein in einem dunklen Zimmer schlafen kann. Die Handlung erscheint absolut realistisch. Man braucht nicht darüber nachdenken, ob das auch mir selbst passieren kann, denn beim Lesen wird dem Leser klar, dass es genau so geschehen kann.

Das tolle an der Geschichte ist, dass am Ende ersichtlich wird, dass dieser Stalker eben nicht „jedem“ begegnet, sondern dass es einen guten Grund für jedes einzelne Opfer gab. Also doch wieder beruhigt das Licht ausdrehen und versuchen, einzuschlafen ;)

Das schon einmal ein kleiner Hinweis darauf, dass am Ende alles anders ist, als man es sich als Leser eigentlich dachte … aber auch viel schlimmer. Dabei verzichtet die Autorin im Großen und Ganzen auf blutrünstige Details, wobei sie durchaus Einfluss darauf nimmt, was sich beim Lesen im Kopf des Lesers abspielt.

Tania Carver wechselt die Perspektiven, sie erzählt die Handlung aus Sicht der Polizei, aus Sicht der Opfer und des Täters. Genau so springt sie zwischen den Handlungssträngen hin und her, dies aber sehr strukturiert. Der Leser weiß immer genau, um welche Person es gerade geht und in welchem Handlungsstrang er sich befindet. Es gibt keine „echte“ Hauptperson. Einmal steht das Ermittlerteam um Phil im Mittelpunkt, einmal einzelne Ermittler, oder auch der Täter.

Dabei lässt Tania Carver dem Leser keine Chance, Sympathien oder Antipathien selbst zu bilden, sie weist durch kleine Spitzen immer wieder darauf hin, wer im Ermittlerteam die „Guten“ und wer die „Bösen“ sind.

Auf eine Lieblingspassage verzichte ich heute, denn es gibt zu viele Passagen, die erwähnenswert wären, weil fast jede Person eine eigene Geschichte zu erzählen hat.

Ich hatte mich bereits vorab über das Buch „Der Stalker“ von Tania Carver informiert und habe dabei mehrfach entdeckt, dass die Leser Bezug auf „Entrissen“ nehmen, das Buch, in dem die Geschichte von Phil und Marina wohl beginnt. Ich kann aber sagen, dass es nicht notwendig ist, dass man „Entrissen“ gelesen hat, um der Handlung bei „Der Stalker“ folgen zu können.

5 von 5 Sternen für einen sensationellen Thriller.

Dieses Buch wurde mir zu Rezensionszwecken vom Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf meine Meinung. Für diesen Artikel habe ich keine Bezahlung und auch keine anderen Gegenleistungen erhalten.

 


Corinna hat dieses Buch ebenfalls rezensiert und 3,5 von 5 Sternen vergeben, wer also noch gerne eine „zweite Meinung“ einholen möchte, kann die Rezension nachlesen.

Blutrache von Eva Klingler

Vergangenen Samstag war ich mal wieder in der Stadtbücherei und habe mich mit neuem Lesestoff versorgt. Unter anderem bin ich dabei auf Blutrache von Eva Klingler gestossen. Aufgefallen ist mir das Buch durch die Zusatzbezeichnung „Ein badischer Krimi“. Da ich in Baden aufgewachsen bin, hat mich das neugierig gemacht.

  • Zum Inhalt

Die Hauptperson ist die Ahnenforscherin Maren Mainhardt. In der Zeitung liest sie von einem Mord im Europapark. Am nächsten Tag erfährt sie von ihrer Bekannten, der Karlsruher Kommissarin Elfie Kohlschröter, dass sie das Opfer kannte. Für den SWR hat sie Familiendokumente geprüft, die in Zusammenhang mit einem Schiffsunglück in New York stehen, über das der Öffentlichkeit nicht viel bekannt ist, obwohl mehr als 1000 deutsche Einwanderer gestorben sind.

Maren recherchiert auf eigene Faust. So lernt sie den Freiburger Kommissar Melchior Oberst kennen, der allerdings nicht begeistert von ihrer Eigeninitiative ist. Maren glaubt an einen Zusammenhang zwischen dem Mord und dem Schiffsunglück. Doch Melchior Oberst ermittelt in eine ganz andere Richtung und auch sonst glaubt niemand an Marens Version der Geschichte. Bis Maren selbst in Gefahr gerät.

  • Meine Gedanken zum Buch

Die Geschichte ist spannend – bis zum Schluß hatte ich keine Ahnung, wer der Mörder ist – und unterhaltsam – die Autorin spickt sie mit viel Humor. Verpackt wird die Handlung in sehr vielen Informationen über die Deutschen, die vor mehr als 100 Jahren in die USA ausgewandert sind. Das war zwar einerseits sehr interessant, aber andererseits hat es die Geschichte für mich auch sehr langatmig gemacht.

Ich habe schon mehrere Regional-Krimis gelesen, oftmals hat mich dieser regionale Bezug fasziniert. Hier muss ich allerdings sagen, dass das Buch eigentlich überall spielen könnte. Die Karlsruher Südstadt wird zwar ausführlicher Teil der Handlung, aber die anderen Städte und Orte werden oft einfach nur genannt und spielen keine typische Rolle. Zum Beispiel fährt Maren mit dem Zug von Karlsruhe über Achern und Offenburg nach Freiburg. Sie hätte auch von Basel über Weil fahren können, oder von Stuttgart über Heilbronn, es wäre genau so wichtig oder unwichtig für die Handlung gewesen.

Daher reicht es leider nur für drei von fünf Eulen.

Radikal von Yassin Musharbash


Yassin Musharbash  – Radikal
400 Seiten
Kiepenheuer & Witsch


  • Zum Inhalt

Lutfi Latif, verheiratet mit einer Anwältin, zwei Töchter, ist der Shootingstar der weltweiten Gemeinschaft der Exilmuslime. Geboren in Kairo, studierte in Kairo und Cambridge, machte seinen Doktor in Harvard. Mit seiner Familie lebt er nun in Berlin. Er ist gebildet und wird von allen Seiten respektiert. Er ist in der Lage, seinen Glauben mit den politischen Diskussionen in eine Beziehung zu setzen und versteht es, die Menschen mit seinen Reden zu faszinieren und zu begeistern. Die Berliner Grünen fragen an, ob er bereit wäre, sich für ein Bundestagsmandat zu bewerben und so wird Lutfi Latif wird in den Bundestag gewählt.

Die palästinensische Studentin Sumaya al-Shami ist fasziniert von diesem Mann und erhofft sich vieles von ihm im Hinblick auf die Islamdebatte in Deutschland. Wie viele andere Muslime ist er für sie ein Hoffnungsträger. Sie bewirbt sich auf eine Stelle als persönliche Assistentin, wird unter allen Bewerberinnen als Einzige zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und von Lutfi Latif eingestellt.

Schon wenige Wochen nach der Wahl erhält Lutfi Latif über 60 Drohbotschaften, z.B. von Islamisten, die wie beispielsweise auch Sumayas Cousin Fadi, glauben, dass er sich nach seiner Wahl nicht mehr nur Glauben und Gewissen verpflichtet fühlt, sondern auch dem Fraktionszwang, den Lobbyisten und der Jagd nach Posten. Aber es gehen auch Schreiben ein von Nazis und Islamhassern. Ansgar Dengelow vom BKA, rät Latif, sich zum eigenen Schutz mit einem Sicherheitsunternehmen in Verbindung zu setzen, dazu händigt er ihm eine Liste mit Ansprechpartnern aus. Doch der Politiker bittet Sumaya, nach einer geeigneten Person zu recherchieren, der nicht auf dieser Liste steht und so wird Samuel Sonntag, genannt Samson, engagiert, um die Bedrohungen gegen Latif zu analysieren.

Samson, hat Arabistik studiert und beschäftigt sich seit seinem Studium mit islamistischen Terrororganisationen. Damals lebte er mit Kai, der heute beim Verfassungsschutz arbeitet, in einer WG und wollte eine Magisterarbeit zum Thema Dshihad schreiben. In diesem Zusammenhang geriet er in das engste Umfeld der späteren Attentäter von 9/11, wie z.B. Mohammed Atta. Samson ist nie darüber hinweggekommen, dass er nicht vorausgesehen hat, was diese Menschen damals geplant haben. Heute führt er ein Blog über die islamistischen Terrororganisationen und hält Vorträge. Bei einem dieser Vorträge wird er von einem alten Freund zu einem abendlichen anonymen Salon im gehobenen Rahmen eingeladen. Dort wird er mit Intellektuellen konfrontiert, die die Meinung vertreten, dass es keinen moderaten Islam gibt. Samson ist schockiert.

Kurze Zeit später kommt es während eines Fernsehinterviews zu einer Explosion, Lutfi Latif erliegt den Folgen seiner Verletzungen. Es gibt weitere Todesopfer. Sumaya und Samson haben Glück und werden nicht verletzt, während Merle Schwalb, Samsons Ex-Freundin und Journalisten beim „Globus“, einer der wichtigsten deutschen Zeitungen, leicht verletzt wird.

Die Al-Qaida bekennt sich zu dem Anschlag, doch die Witwe, Fadia Latif, erhält Hinweise, dass Lutfi Latif nicht von Al-Qaida ermordet wurde. Ihr Mann hatte herausgefunden, dass es private Gruppen gibt, deren Ziel es ist, durch provokante Aktionen Muslime in Deutschland zu übertriebenen Reaktionen anzustacheln. Der Kern dieses Netzes nennt sich „Kommando Karl Martell“. Ein Studienkollege von Latif hatte ihm zugetragen, dass er möglicherweise in diesem Zusammenhang Ziel eines Anschlages sein könnte. Samson erinnert sich an seinen Abend im Rahmen des Salons und beginnt zu ermitteln. Er will das Kommando Karl Martell infiltrieren. Samson schafft es, in den innersten Zirkel einzudringen und trifft dort auf hochrangige Politiker und Menschen mit Macht und Geld. Doch dann wird Samson für den Mord an Lutfi Latif verantwortlich gemacht und alle Fakten sprechen gegen ihn. Der „Globus“ erfährt von seiner Verhaftung und arbeitet an einer reißerischen Geschichte über Samson.

Für Sumaya und Merle beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Sie müssen eine Möglichkeit finden, Samson zu entlasten und gleichzeitig seinen Ruf schützen. Doch welche Rolle alte Freunde von Samson und der Cousin von Sumaya nun spielen, was passiert, weil Ansgar Dengelow durch seine Eheprobleme von seiner Arbeit abgelenkt ist und über welche Macht und Möglichkeiten das Kommando Karl Martell verfügen, müsst Ihr selbst nachlesen.


  • Meine Meinung

Yassin Musharbash hat einen Polit-Thriller geschrieben, der mir einmal „die andere Seite“ zeigt. Ich habe im Fernsehen Berichte zur Islamdiskussion gesehen oder in Zeitungen darüber gelesen. Aber bisher habe ich noch nie versucht, die Situation aus der Sicht der Muslime zu sehen.

Die Vorstellung, dass es Gruppierungen in Europa gibt, die alle Muslime in eine Schublade stecken, sämtliche Vorfälle und Vorgänge verallgemeinern und ist schockierend. Nicht, weil man nicht an diese Einstellungen zu den Menschen glauben mag, sondern vielmehr durch die Radikalität, die sie an den Tag legen. Der Autor zeigt in seinem Buch aber auf, dass es genau so sein könnte. Dass diese Vorstellung gar nicht so abwegig ist, zeigt er an ganz alltäglichen Beispielen, in denen Durchschnittsbürger genau das tun:

Ein Paradebeispiel dafür ist, wie ich finde, ein Erlebnis von Sumaya, welches sich einige Tage nach den Anschlägen vom 11. September zugetragen hat:

Sumaya war einkaufen gewesen an jenem Tag. … An der Kasse überreicht sie dem Kassierer ihre EC-Karte, … und diese Karte funktionierte an diesem Tag nicht, so dass der Kassierer sie mehrmals durch die Kasse ziehen musste, aber erfolglos. Schließlich sah der Mann sich die Karte genauer an. … „Aha. Sind Sie auch eine von denen, oder was? Gefälschte Karte, oder was?

Die Erlebnisse der verschiedenen Personen werden teilweise in Zeitsprüngen dargestellt, aber nie unübersichtlich. Die Erlebnisse der einzelnen Personen sind klar getrennt. Der Leser findet sich schnell zurecht und weiß immer genau, aus welcher Sicht er gerade liest. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und toll zu lesen. Das Buch ist von Anfang an spannend. Die Thematik war für mich so faszinierend, dass das Buch nicht zu Ende war, als ich es vor drei Tagen zugeklappt habe, sondern ich seither einige Male über das Gelesene nachgedacht habe.

Daher vergebe ich fünf von fünf Eulen.


  • Zum Autor

Als Journalist kennt sich Yassin Musharbash bestens in der Welt der Medien aus und zeigt auf, wie Medien ihre Macht ausnutzen und ausspielen können.


  • Zum Cover

Das Cover ist in schwarz gehalten. Links groß der Titel und im Hintergrund in rot die Skyline von Berlin mit dem Fernsehturm. Nichts Auffälliges, aber stilvoll und passend, wie ich finde.