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Mami braucht ’nen Drink: Tagebuch einer erschöpften Mutter von Gill Sims

Kurzfazit

Schon auf der ersten Seite konnte ich mich mit Ellen identifizieren, auch später beschreibt Gill Sims immer wieder Situationen, die mir nur zu bekannt vorkommen – ein Buch, das auf unterhaltsame Art aufzeigt, dass wir Eltern nur die besten Absichten haben und unsere Familien im Grunde völlig normal sind, weil hinter anderen Haustüren auch nicht alles Gold ist, was glänzt.


Die Protagonisten und ihre Geschichte 

Ellen ist Ende 30 und hat Probleme mit dem älterwerden. Sie arbeitet an vier Tagen in der Woche im IT-Bereich und ist mit dem Architekten Simon verheiratet. Die beiden haben zwei Kinder. Das Familienleben erschöpft Ellen regelmäßig und den perfekten Müttern, deren Familienleben daraus besteht, die richtige Nanny einzustellen, geht sie aus dem Weg.

Am Ende des Tages beschreibt sie auf äußerst humorvolle Art von ihren Erlebnissen und Problemen und genehmigt sich dabei ein Glas Wein. Eines Tages hat sie eine Idee, von der sie überzeugt ist, dass sie das Leben gestresster Mütter erträglicher machen wird.


Meine Gedanken zum Buch

Die Autorin hat mit Ellen eine Protagonistin geschaffen, die für ihre Kinder alles tun würde, die ihre Familie zusammenhält, die sich und ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellt und dadurch an manchen Tagen auf der Strecke bleibt. Ellen schreibt Tagebuch und gewährt uns dadurch Einblick in ihre Familienwelt. Schon auf der ersten Seite konnte ich mich mit ihr identifizieren, als sie sich zu Beginn des neuen Schuljahres vornimmt, eine durchorganisierte Mutter zu sein, die alles perfekt und richtig machen wird. Diese Vorsätze kenne ich und dann scheitert die Umsetzung an der Realität. Auch später beschreibt Gill Sims immer wieder Situationen, die mir nur zu bekannt vorkommen. und ich kann mir gut vorstellen, dass jede berufstätige Mutter in diesem Buch Parallelen zum eigenen Familienleben findet.

Dass der Alkohol in diesem Buch eine größere Rolle einnimmt, lässt der Titel bereits vermuten. Ellen genehmigt sich sich gerne ein Glas Wein… oder manchmal auch zwei oder drei. Hin und wieder tut sie das alleine, auch mal in Gesellschaft ihres Mannes, bevorzugt aber mit ihren besten Freunden. Diese Clique habe ich schnell liebgewonnen, dess es ist die Sorte Mensche, bei denen man sich auskotzen, mit denen man über Gott und die Welt lästern kann und die bedingungslos hinter einem steht.

Muss man sich als Leser darüber Gedanken machen, dass die Charaktere mit schöner Regelmäßigkeit zum Alkohol greifen? Mit dem nötigen Abstand müsste man das wohl, ja. Beschönigt der Roman den Genuss von Alkohol? Auch das mag sein. Dennoch hatte ich oftmals ein dickes Grinsen im Gesicht, weil mich die humorvolle Geschichte perfekt unterhalten konnte. Wie ich oben schon angeführt habe, konnte ich mein Verhalten, meine Gedanken, einen Teil von mir selbst in diesem Buch wiederfinden. Genau das macht den Charme aus. Trotzdem habe ich nach dem Lesen dieses Buches nicht das Gefühl, mir täglich Alkohol zuführen zu müssen, um dem Leben gewachsen zu sein.

Nun hat Ellen ja diese Idee, die das Leben gestresster Mütter erträglicher machen soll. Darüber möchte ich gar nicht viel schreiben, denn ich möchte den Überraschungseffekt nicht vorweg nehmen. Ich fand die Idee grandios und war froh, dass ich vorab keine Rezension gelesen hatte, die das „Geheimnis“ bereits verraten hätte.

Soweit, so gut, der Roman hat aber aus meiner Sicht auch zwei Minuspunkte, die ich nicht verschweigen will. Teilweise hatte die Geschichte ihre Längen, so dass ich den einen oder anderen Abschnitt nur quer gelesen habe und das Ende hat mich unbefriedigt zurückgelassen. Das war viel zu Ernst, vielleicht war es das notwendige Tüpfelchen auf dem i, um Ellen als wunderbaren, großherzigen und perfekten Menschen darzustellen, aber das wäre gar nicht nötig gewesen und da hat mir schlichtweg die Leichtigkeit gefehlt.

Ein Buch, dass auf humorvolle Art aufzeigt, dass wir Eltern nur die besten Absichten haben und unsere Familien im Grunde völlig normal sind, weil hinter anderen Haustüren auch nicht alles Gold ist, was glänzt.


Bewertung

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Rezensionsexemplar

Dieses Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung wurde dadurch jedoch nicht beeinflusst. Für den Artikel wurde ich außerdem weder bezahlt, noch habe ich eine andere Gegenleistung erhalten.


Eckdaten

Mami braucht ’nen Drink: Tagebuch einer erschöpften Mutter
von Gill Sims
erschienen am 10. August 2018
im Eisele Verlag


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