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Rotes Gold von Tom Hillenbrand

Rotes Gold
von Tom Hillenbrand
Kiepenheuer & Witsch


  • Zum Inhalt

Der luxemburgische Koch Xavier ist mit seiner Freundin Valerie, der Guide Gabin-Erbin, zu einem Dinner des Bürgermeisters von Paris, Francois Allegret,  im Louvre eingeladen. DerSushimeister Mifune bricht tot zusammen und die Polizei geht davon aus, dass dem Sushimeister ein Fehler unterlaufen ist, wodurch er mit Gift in Berührung gekommen ist.

Der Bürgermeister weiss, dass Xavier schon einmal einen Mord aufgeklärt hat und bittet ihn um Hilfe. Geld spielt dabei keine Rolle. Xavier ist selbst nicht davon überzeugt, dass Mifune einen Fehler gemacht hat, nachdem er mit dem befreundeten Sushi-Koch Hashimoto gesprochen hat, ist er sich sicher, dass Mifune einem Anschlag zum Opfer gefallen ist und schon steckt er mitten in den Ermittlungen.

Je weiter er in den Fall einsteigt, desto mehr gerät er selbst in Gefahr. Denn erlegt sich nicht nur mit der Yakuza an, sondern trifft auch auf die Cosa Nostra und jede Menge kleinere Kriminelle, denen er gewaltig auf die Füße tritt.


Meine Meinung:
Rotes Gold war mein erster Roman von Tom Hillenbrand. Aufgrund des Zusatzes im Titel des Buches (“Ein kulinarischer Krimi”) und der Leseprobe bei vorablesen.de bin ich davon ausgegangen, hier auf einen Krimi zu stossen. Doch der Mord an Mifune ist nur eine Nebenhandlung.
Dank Tom Hillenbrand weiss ich nun vieles über den Roten Thun, was mir bisher unbekannt war. Das fängt damit an, dass Thunfische gefangen und in Käfigen gemästet werden, damit sie fetter werden und geht weiter mit der Überfischung des Roten Thuns, der Nichteinhaltung von Fangquoten und der Mattanaza (“Abschlachten”), der traditionellen Thunfischjagd vor Sizilien.Ganz zu schweigen davon, dass wir alle kein Sushi essen sollten, weil 80% des gefangenen Thun für Sushi verwendet wird und zu befürchten ist, dass der Rote Thun im Mittelmeer bald gar nicht mehr zu finden sein wird.
Klingt nicht wie ein Krimi? Ich weiss. Aber obwohl ich etwas völlig anderes erwartet hatte, hat mich das Buch in seinen Bann gezogen.
Auf einige Details hätte ich aber auch gerne verzichtet, wie z.B. auf die ausführlichen Beschreibungen des Essens, zum dem Francois Allegret Xavier bittet: Austern, Stopfleber, Kapaun (kastrierter Hahn), Ortolan … Gut, dass Xavier sich hinterher erbrochen hat, sonst hätte ich es tun müssen. Kleine Kostprobe:

Er nahm sein Messer und trennte den kleinen Kopf des Vogels von dessen aufgedunsenem Leib … Er wusste, dass der Koch den Ortolan nicht ausgenommen hatte … Als er mit der Zunge etwas mehr Druck auf  den weichen warmen Fleischbrocken ausübte, spürte er, wie sich ein starker Armagnacgeschmack in seinem Mund breit machte. Der Druck hatte dazu geführt, dass die winzigen Organe des Ortolans, die sich während seines Todeskampfs mit dem Weinbrand vollgesogen hatten, nun barsten – sein Magen, seine Lunge, sein kleines Herz. Der Vogel glitt leicht nach hinten, in Richtung Rachen. Kieffer musste einen Würgereflex unterdrücken.

Auszug aus “Rotes Gold” von Tom Hillenbrand, Kapitel 6, Seite 62

Nichts für zwarte Gemüter also, aber die Stellen, die mir zu heftig wurden, habe ich einfach überflogen.

  • Mein Fazit
Für diesen ungewöhnlichen Krimi vergebe ich 3,5 von 5 Punkten. Warum 3,5? 3 Sterne sind zu wenig, denn “Rotes Gold” ist ein aussergewöhnliches Buch. 4 Sterne empfinde ich als zuviel, denn ich hatte einen spannenden Krimi erwartet und etwas ganz anderes bekommen.
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Vielen Dank an an den Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar über vorablesen.de zur Verfügung gestellt hat. Ich weise darauf hin, dass dies keinen Einfluss auf meine Beurteilung hat. Für diesen Artikel wurde ich nicht bezahlt und habe auch keine andere Gegenleistung erhalten.

 

Neuzugänge

Auch in den letzten Tagen gab es wieder einige Neuzugänge zu verzeichnen.

Von vorablesen habe ich Die Toten von Sandhamn erhalten.

Der Reiseführer war ein Geburtstagsgeschenk von Freunden, denen ich erzählte hatte, dass ich im Juli einen Abstecher nach Hamburg unternehmen möchte.

Während mein Mann sich im Media Markt die Fernseher angesehen hat, habe ich den Ramschtisch mit preisreduzierten Mängelexemplaren auf links gedreht und mich am Ende für diese beiden Bücher entschieden. Sahnehäubchen hatte ich schon einmal in einem anderen Geschäft in der Hand, hab es dann aber doch wieder weggelegt, weil mein SuB bereits sehr hoch war, aber ein zweites Mal kam ich nicht daran vorbei ;)

Das ist mein erstes Wanderbuch, das ich über lovelybooks erhalten haben.

Die Buchbox macht Station in Kaiserslautern

Um es mit den Worten von Oliver Kahn zu sagen:

Da ist das Ding!

Am Montag hat Jutta (chaosweib) angekündigt, dass sich die Buchbox auf den Weg zu mir macht.

Danke an Conny von den Buecher-Fans für den schnellen Versand, nachdem die Buchbox bei ihr schon die 11. Station hinter sich gebracht ist, ist sie nun bei mir zwischen gelandet.

Als die Buchbox gestartet ist, habe ich genau hingesehen, wer welche Bücher hinein legt und musste oft zusehen, wie andere Bücherfans die Bücher, die mir auch gefallen hätten, wieder heraus genommen haben.

Auf den letzten Stationen habe ich mich deswegen nur noch daruf konzentriert, welche Bücher IN die Kiste wandern und hatte deswegen auch keinen Überblick mehr, was tatsächlich noch vorhanden ist. Die Spannung war also gross, als ich das Paket geöffnet habe.

Zum Vorschein kamen diese 15 Bücher:

Der Schwarm von Frank Schätzing
Das Herz meiner Töchter von Jodi Picoult
Im Abgrund von Jeff Long
Fackelzüge – ein Liebeslied von Sigurbjörg Thrastardótti
Fleißig bis dreißig von Heidi Goch
Wachgeküßt von Sarah Harvey
Tod auf dem Pilgerschiff von Peter Tremayne
Arlington Park von Rachel Cusk
Schwarzer Schwan von Horst Eckert
Nightfall von Adrian Phoenix
Gletschergrab von Arnaldur Indriðason
Generation Doof von Stefan Bonner und Anne Weiss
Das letzte Ritual von Yrsa Sigurðardóttir
In weisser Stille von Inge Löhnig
Herzalarm von Paul Carson

Ich habe mir die Texte auf den Buchrücken durchgelesen und nach dem ersten Durchgang lagen acht Bücher auf meinem “will haben” Stapel, aber ich habe mich nicht getraut, den halben Kisteninhalt auszutauschen ;)

Übrig geblieben sind am Ende trotzdem sechs Bücher. Diese Exemplare finden bei mir ein neues Zuhause:

Interessanterweise habe ich mit Herzalarm ein Buch, das Jutta mit der Startbefüllung in die Buchbox gelegt hatte und das nun elf Mal aus dem Karton heraus und wieder hinein gewandert ist, während Schwarzer Schwan erst bei der letzten Station dazu gestossen ist und seine Reise nun auch schon wieder beendet hat.

Getrennt habe ich mich von

Weiberfrühstück von Renée Karthee, ein typischer Frauenroman, nicht anspruchsvoll, aber sehr unterhaltsam, frei nach dem Motto „Mit vierzig hat man keine Zeit mehr zum Unglücklichsein.“

Süden und der Luftgitarrist von Friedrich Ani habe ich über die Aktion Lesefreunde erhalten. Zum Buch selbst kann ich noch nichts sagen, weil ich mein Paket gestern abgeholt, aber das Buch noch nicht gelesen habe.

Bellas Bruder Bobby ist Autist, während Bella jahrelang davon ausgeht, dass er deswegen kein glückliches Leben haben kann, vergisst sie manchmal, selbst zu leben.

Ein unterhaltsames Buch mit ernstem Hintergrund, das ich bei einer Verlosung bei Laris Bücherkiste gewonnen habe.

Die irische Meerjungfrau von Carolin Römer ist ein unterhaltsamer Krimi, der mich aber nicht ganz überzeugen konnte. Weil das Buch aber bei anderen Lesern durchaus angekommen ist, hoffe ich, dass sich auf diesem Weg jemand findet, dem es gefällt.

Fasziniert hat mich, dass die Autorin auf wahre Begebenheiten eingeht. So gibt der Protagonist vor, Journalist zu sein und Nachforschungen anzustellen zu einem teuren und erfolgreichen Rennpferd, welches in den 80er Jahren in Irland verschwunden ist. Gibt man den Namen “Shergar” bei google ein, spuckt beispielsweise Wikipedia aus, dass  das Pferd des Aga Khan 1983 von einem Gestüt im County Kildare, Irland, gestohlen wurde und nie mehr aufgetaucht ist. Genau das verwendet Carolin Römer in ihrem Buch.

Sie und Er von Andrea De Carlo habe ich über Kastanies Bücherblog erhalten und war sehr gespannt, da es überhaupt nicht mein Genre ist. Aber die Geschichte von Daniel und Clare hat mich berührt und ich kann dieses Buch all denen ans Herz legen, die tiefsinnige Geschichten lieben.

Bretonische Verhältnisse ist für mich ein etwas anderer Kriminalroman, der meinen Geschmack nur gestreift, aber nicht getroffen hat. Wer die Bretagne kennt und liebt, wird die Ausführungen über die Region sicherlich mehr zu schätzen wissen und daran das Besondere an diesem Buch festmachen, da die Landschaft tatsächlich sehr stimmungsvoll beschrieben wird.

In der Buchbox befindet sich auch noch dieses Eintragbuch “Ex Libris”, in das jeder sein Lieblingsbuch einträgt.

Seit ich Ich.darf.nicht.schlafen von S.J. Watson gelesen habe, gehört das zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Da das Buch aber bereits von einer anderen Bloggerin vorgestellt wurde, habe ich mich für “Mein Buch 2011” entschieden: Radikal von Yassin Musharbash

Und zum Schluss noch ein Dankeschön an Jutta für die Organisation des ganzen Projektes.

Falls nun jemand auf den Geschmack gekommen ist und der Buchbox ebenfalls einmal für ein oder zwei Nächte ein zuhause geben möchte, kann sich bei Jutta über die Regeln informieren und anmelden.

Seid Ihr neugierig, wohin die Reise nun führt? Dann schaut in den nächsten Tagen bei Tina vorbei.

 

Bretonische Verhältnisse von JeanLuc Bannalec

Jean-Luc Bannalec
Bretonische Verhältnisse – Ein Fall für Kommissar Dupin
Verlag: Kiepenheuer & Witsch


Text auf der Rückseite des Buches:

Im malerischen Küstendorf Pont Aven wird an einem heißen Julimorgen der Besitzer des berühmtesten Hotels am Platz brutal erstochen aufgefunden. Kommissar Dupin, eingefleischter Pariser und zwangsversetzt ans Ende der Welt, übernimmt den Fall und stößt in der bretonischen Sommeridylle auf ungeahnte Abgründe…

Ein fesselnder Kriminalroman, durchzogen von hintergründigem Humor und so wunderbar stimmungsvoll, dass man sofort selbst durch die engen Gassen des Dorfes flanieren und die salzige Atlantikluft riechen möchte. Eine Krimistunde – nicht nur für Frankreichfans.


Zum Inhalt:

Kommissar Dupin wird wegen des Mordes am 91-jährigen Hotelbesitzer Pierre-Louis Pennac nach Pont Aven gerufen. Das Hotel Central, das dem Verstorbenen gehörte, hat Berühmtheit erlangt, weil sie seit dem 19. Jahrhundert eng verbunden ist mit der Schule von Pont Aven. Gegründet wurde die Schule von Pont-Aven von einer Gruppe Maler, der auch Gauguin angehörte. Die Politik und die Presse wird schnell auf den Mord aufmerksam und so steht Kommissar Dupin innerhalb kürzester Zeit unter Druck.

Dupin recherchiert im näheren Umfeld des Toten, um herauszufinden, was jemanden dazu bewegen könnte, einen 91-jährigen Mann umzubringen, der sowieso nur noch kurze Zeit zu leben hatte. Dabei umgeht er Telefonate mit seinen Vorgesetzten ebenso hemmungslos, wie er seine Mitarbeiter durch die Weltgeschichte schickt, aber kaum in seine Ermittlungsergebnisse einbezieht.

Während seine Mitarbeiter recherchieren, spaziert Dupin durch die Region und versucht, seine Gedanken zu ordnen. Dabei lernt der Leser die Schönheit der Bretagne und die Eigenheiten der Menschen kennen.

Nach und nach kristallisiert sich ein Mordmotiv heraus und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Dupin klar wird, wen aus der überschaubaren Menge der Verdächtigen er verhaften muss.


Cover:

Das Motiv des Covers wäre mir in der Buchhandlung nicht aufgefallen, daher wäre ich an diesem Buch wohl vorbei gegangen.

Der Einband kann vorne und hinten aufgeklappt werden, auf der Innenseite befindet sich eine Karte der Bretagne, wodurch der Leser die Wege von Kommissar Dupin nachvollziehen kann.

Am Anfang haben mich die „Sollknickstellen“ des Buchumschlages begeistert, aber in der Mitte des Buches habe ich festgestellt, dass der Buchrücken dadurch geknickt wird, was am Ende natürlich nicht mehr schön aussieht.


Autor:

Jean-Luc Bannalec wurde 1967 in Brest geboren; sein Vater ist Bretone, seine Mutter Rheinländerin. Er arbeitet in Deutschland und Frankreich und lebt mit seiner Familie in beiden Ländern. »Bretonische Verhältnisse« ist sein erstes Buch; weitere Fälle von Kommissar Dupin folgen. (Quelle: Bucheinband)


Mein Eindruck:

Das Buch ist in vier Kapitel aufgeteilt, wobei jedes Kapitel einen kompletten Tag umfasst.

Der Leser weiß immer genau über den Ermittlungsstand Bescheid, im Gegensatz zum Team des Kommissars. Dupin lässt sein Team im Unklaren über den Stand seiner Ermittlungen, schickt sie teilweise sinnlos durch die Gegend und nimmt Telefonate nur entgegen, wenn ihm gerade danach ist. Es gibt ermittelnde Einzelgänger, die mir wesentlich sympathischer waren, als Dupin. Erst ganz am Ende hatte der Kommissar auch für mich eine Sternstunde. Ein Verdächtiger, der zwar nicht der Mörder war, dessen Weste aber auch nicht rein ist, sollte ungestraft davon kommen und Dupin macht sich Gedanken darüber, wie er diesen Mann trotzdem noch zur Rechenschaft ziehen könnte.

Schwierigkeiten hatte ich zunächst mit den vielen verschiedenen Personen, die innerhalb kürzester Zeit auftreten. Leider wird bis zum Ende des Buches weder klar, warum Dupin Paris verlassen musste, noch, was es mit den diversen Frauengeschichten auf sich hat, von denen der Leser im Laufe des Buches erfährt. Zumindest letzteres hätte sich der Autor dann auch sparen können, denn das spielte gar keine Rolle für diesen Fall.

Spannung ist bei mir bis zur Mitte des Buches kaum aufgekommen und wenn, wurde sie durch einen neuen Vorfall oder eine Teilaufklärung gleich wieder zunichte gemacht. Ungefähr in der Mitte des Buches hat sich ein Spannungsbogen aufgetan, der sich bis zum Ende des Buches gehalten hat. Ich mehrere potentielle Mörder auf meiner Liste und war über den Ausgang der Geschichte doch überrascht. Allerdings hätte die Auflösung etwas ausführlicher sein dürfen.

Ich bin davon ausgegangen, dass das Buch in Richtung Regional-Krimi gehen soll. Allerdings überwiegt in diesem Buch nach meinem Empfinden das Lokalkolorit und die Kriminalhandlung kommt zu kurz. Da ich einen Krimi erwartet habe, habe ich mich dabei erwischt, wie ich ganze Absätze übersprungen habe, in denen Bannalec sich ausschweifend über die herrliche Landschaft ausgelassen hat.

Ein Pluspunkt war für mich, dass der Autor auf die Schule von Pont-Aven eingegangen ist. Einige Hintergrundinformationen waren wichtig, um den Fall in seinem ganzen Ausmass zu verstehen.

Bretonische Verhältnisse ist für mich ein etwas anderer Kriminalroman, der meinen Geschmack nur gestreift, aber nicht getroffen hat. Wer die Bretagne kennt und liebt, wird die Ausführungen über die Region sicherlich mehr zu schätzen wissen und daran das Besondere an diesem Buch festmachen, da die Landschaft tatsächlich sehr stimmungsvoll beschrieben wird. Aber ich wollte von einem Kriminalfall lesen und keine Reiseführer studieren.

Daher von mir nur 3 von 5 Sternen.

Dieses Buch wurde mir zu Rezensionszwecken von lovelybooks zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf meine Meinung. Für diesen Artikel habe ich jedoch keine Bezahlung und auch keine anderen Gegenleistungen erhalten.

 

Radikal von Yassin Musharbash


Yassin Musharbash  – Radikal
400 Seiten
Kiepenheuer & Witsch


  • Zum Inhalt

Lutfi Latif, verheiratet mit einer Anwältin, zwei Töchter, ist der Shootingstar der weltweiten Gemeinschaft der Exilmuslime. Geboren in Kairo, studierte in Kairo und Cambridge, machte seinen Doktor in Harvard. Mit seiner Familie lebt er nun in Berlin. Er ist gebildet und wird von allen Seiten respektiert. Er ist in der Lage, seinen Glauben mit den politischen Diskussionen in eine Beziehung zu setzen und versteht es, die Menschen mit seinen Reden zu faszinieren und zu begeistern. Die Berliner Grünen fragen an, ob er bereit wäre, sich für ein Bundestagsmandat zu bewerben und so wird Lutfi Latif wird in den Bundestag gewählt.

Die palästinensische Studentin Sumaya al-Shami ist fasziniert von diesem Mann und erhofft sich vieles von ihm im Hinblick auf die Islamdebatte in Deutschland. Wie viele andere Muslime ist er für sie ein Hoffnungsträger. Sie bewirbt sich auf eine Stelle als persönliche Assistentin, wird unter allen Bewerberinnen als Einzige zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und von Lutfi Latif eingestellt.

Schon wenige Wochen nach der Wahl erhält Lutfi Latif über 60 Drohbotschaften, z.B. von Islamisten, die wie beispielsweise auch Sumayas Cousin Fadi, glauben, dass er sich nach seiner Wahl nicht mehr nur Glauben und Gewissen verpflichtet fühlt, sondern auch dem Fraktionszwang, den Lobbyisten und der Jagd nach Posten. Aber es gehen auch Schreiben ein von Nazis und Islamhassern. Ansgar Dengelow vom BKA, rät Latif, sich zum eigenen Schutz mit einem Sicherheitsunternehmen in Verbindung zu setzen, dazu händigt er ihm eine Liste mit Ansprechpartnern aus. Doch der Politiker bittet Sumaya, nach einer geeigneten Person zu recherchieren, der nicht auf dieser Liste steht und so wird Samuel Sonntag, genannt Samson, engagiert, um die Bedrohungen gegen Latif zu analysieren.

Samson, hat Arabistik studiert und beschäftigt sich seit seinem Studium mit islamistischen Terrororganisationen. Damals lebte er mit Kai, der heute beim Verfassungsschutz arbeitet, in einer WG und wollte eine Magisterarbeit zum Thema Dshihad schreiben. In diesem Zusammenhang geriet er in das engste Umfeld der späteren Attentäter von 9/11, wie z.B. Mohammed Atta. Samson ist nie darüber hinweggekommen, dass er nicht vorausgesehen hat, was diese Menschen damals geplant haben. Heute führt er ein Blog über die islamistischen Terrororganisationen und hält Vorträge. Bei einem dieser Vorträge wird er von einem alten Freund zu einem abendlichen anonymen Salon im gehobenen Rahmen eingeladen. Dort wird er mit Intellektuellen konfrontiert, die die Meinung vertreten, dass es keinen moderaten Islam gibt. Samson ist schockiert.

Kurze Zeit später kommt es während eines Fernsehinterviews zu einer Explosion, Lutfi Latif erliegt den Folgen seiner Verletzungen. Es gibt weitere Todesopfer. Sumaya und Samson haben Glück und werden nicht verletzt, während Merle Schwalb, Samsons Ex-Freundin und Journalisten beim “Globus”, einer der wichtigsten deutschen Zeitungen, leicht verletzt wird.

Die Al-Qaida bekennt sich zu dem Anschlag, doch die Witwe, Fadia Latif, erhält Hinweise, dass Lutfi Latif nicht von Al-Qaida ermordet wurde. Ihr Mann hatte herausgefunden, dass es private Gruppen gibt, deren Ziel es ist, durch provokante Aktionen Muslime in Deutschland zu übertriebenen Reaktionen anzustacheln. Der Kern dieses Netzes nennt sich „Kommando Karl Martell“. Ein Studienkollege von Latif hatte ihm zugetragen, dass er möglicherweise in diesem Zusammenhang Ziel eines Anschlages sein könnte. Samson erinnert sich an seinen Abend im Rahmen des Salons und beginnt zu ermitteln. Er will das Kommando Karl Martell infiltrieren. Samson schafft es, in den innersten Zirkel einzudringen und trifft dort auf hochrangige Politiker und Menschen mit Macht und Geld. Doch dann wird Samson für den Mord an Lutfi Latif verantwortlich gemacht und alle Fakten sprechen gegen ihn. Der „Globus“ erfährt von seiner Verhaftung und arbeitet an einer reißerischen Geschichte über Samson.

Für Sumaya und Merle beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Sie müssen eine Möglichkeit finden, Samson zu entlasten und gleichzeitig seinen Ruf schützen. Doch welche Rolle alte Freunde von Samson und der Cousin von Sumaya nun spielen, was passiert, weil Ansgar Dengelow durch seine Eheprobleme von seiner Arbeit abgelenkt ist und über welche Macht und Möglichkeiten das Kommando Karl Martell verfügen, müsst Ihr selbst nachlesen.


  • Meine Meinung

Yassin Musharbash hat einen Polit-Thriller geschrieben, der mir einmal „die andere Seite“ zeigt. Ich habe im Fernsehen Berichte zur Islamdiskussion gesehen oder in Zeitungen darüber gelesen. Aber bisher habe ich noch nie versucht, die Situation aus der Sicht der Muslime zu sehen.

Die Vorstellung, dass es Gruppierungen in Europa gibt, die alle Muslime in eine Schublade stecken, sämtliche Vorfälle und Vorgänge verallgemeinern und ist schockierend. Nicht, weil man nicht an diese Einstellungen zu den Menschen glauben mag, sondern vielmehr durch die Radikalität, die sie an den Tag legen. Der Autor zeigt in seinem Buch aber auf, dass es genau so sein könnte. Dass diese Vorstellung gar nicht so abwegig ist, zeigt er an ganz alltäglichen Beispielen, in denen Durchschnittsbürger genau das tun:

Ein Paradebeispiel dafür ist, wie ich finde, ein Erlebnis von Sumaya, welches sich einige Tage nach den Anschlägen vom 11. September zugetragen hat:

Sumaya war einkaufen gewesen an jenem Tag. … An der Kasse überreicht sie dem Kassierer ihre EC-Karte, … und diese Karte funktionierte an diesem Tag nicht, so dass der Kassierer sie mehrmals durch die Kasse ziehen musste, aber erfolglos. Schließlich sah der Mann sich die Karte genauer an. … „Aha. Sind Sie auch eine von denen, oder was? Gefälschte Karte, oder was?

Die Erlebnisse der verschiedenen Personen werden teilweise in Zeitsprüngen dargestellt, aber nie unübersichtlich. Die Erlebnisse der einzelnen Personen sind klar getrennt. Der Leser findet sich schnell zurecht und weiß immer genau, aus welcher Sicht er gerade liest. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und toll zu lesen. Das Buch ist von Anfang an spannend. Die Thematik war für mich so faszinierend, dass das Buch nicht zu Ende war, als ich es vor drei Tagen zugeklappt habe, sondern ich seither einige Male über das Gelesene nachgedacht habe.

Daher vergebe ich fünf von fünf Eulen.


  • Zum Autor

Als Journalist kennt sich Yassin Musharbash bestens in der Welt der Medien aus und zeigt auf, wie Medien ihre Macht ausnutzen und ausspielen können.


  • Zum Cover

Das Cover ist in schwarz gehalten. Links groß der Titel und im Hintergrund in rot die Skyline von Berlin mit dem Fernsehturm. Nichts Auffälliges, aber stilvoll und passend, wie ich finde.