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Premierenlesung zu „Die Flut“ von Arno Strobel

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Am 22. Januar 2016 fand in Homburg / Saar die Premierenlesung zu „Die Flut“ von Arno Strobel statt. Da wir damit gerechnet haben, dass die Veranstaltung ausverkauft sein würde, waren wir pünktlich zum Einlass um 18.30 Uhr in Homburg.

Im Foyer standen dann gleich der Autor mir seiner Familie und zwei Damen vom Fischer-Verlag und am Eingang zum Saal entdeckte ich Ulrich Burger, der mit dem UlrichBurger-Verlag Veranstalter der Lesung war. Uli erklärte, dass die ersten beiden Reihen reserviert seien, da die Aula der Musikschule darüber hinaus noch recht leer war, konnten wir so einen Sitzplatz in der zweiten Reihe ergattern, vor uns saß später die Familie des Autors.

Nach und nach füllte sich der Saal langsam, doch leider hatten sich wohl einige von der Unwetterwarnung abschrecken lassen, denn es sind einige Plätze leer geblieben. Unter denjenigen, die gekommen sind, waren der Autor und Blogger Benjamin Spang, den ich Euch im Rahmen der Buchmesse schon vorgestellt habe und Jenny von Mein Bücherchaos, auf die ich später noch zurückkomme.

Am Vortag hatte bei Radio Homburg 89,6 gelesen, dass die Lesung vom Akkordeon-Ensemble der Musikschule begleitet wird, das den Abend dann mit drei Stücken eröffnet hat.  Rüdiger Schneidewind, der Oberbürgermeister der Kreis- und Universitätsstadt Homburg, begrüßte dann die Anwesenden. Wie schon bei der HomBuch, an der er zusammen mit Uli Burger die Preisverleihung geleitet hat, merkte man ihm an, dass er stolz darauf ist, dass Homburg die Saarländische Buchmesse sein eigen nennen kann und natürlich auch, dass Arno Strobel mit seiner Premierenlesung in die Stadt gekommen ist.

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Wir hatten Arno Strobel bereits bei Open Books in Frankfurt erlebt, als er zusammen mit Ursula Poznanski die Vor-Premierenlesung zu ihrem gemeinsamen Buch „Fremd“ gehalten hat und so freuten wir uns auf einen unterhaltsamen Abend, der dann auch begann. Arno Strobel erzählte von seiner Schullaufbahn (er hatte zunächst die Hauptschule und eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker abgeschlossen, bevor er das Abitur nachgemacht und studiert hat), seinem Werdegang vom selbständigen IT-Berater bis zum Jobangebot einer luxemburgischen Bank, das er wahrgenommen hat und natürlich von seiner Entwicklung als Autor.

Obwohl ich der Meinung war, schon vieles über den Autoren gelesen zu haben, wurde ich dennoch überrascht, denn tatsächlich war mir noch einiges nicht bekannt. So wurde seine erste Geschichte dank seiner Deutschlehrerin in der Saarbrücker Zeitung veröffentlicht. Außerdem hat Arno Strobel mit Kurzgeschichten begonnen, die zwischenzeitlich auch in einem Buch veröffentlicht wurden, das Buch ist aber nur bei seinen Lesungen erhältlich und was mich am meisten überrascht hat, der Autor hat bereits zwei Bücher bei dtv veröffentlicht. Dabei handelt es sich um zwei Thriller, die mit dem Vatikan und der katholischen Kirche zu tun haben. Seine Psychothriller wollte dtv allerdings nicht verlegen, weshalb er mit seinen Büchern nun bei Fischer gelandet ist.

Der Autor schaffte es, sein Publikum schon mit wenigen Worten zur unterhalten und in seinen Bann zu ziehen und hatte einige Lacher auf seiner Seite. Dann las er aus dem Prolog und den Einstiegskapiteln aus „Die Flut“, so dass wir Zuhörer uns einen ersten Einblick in sein neuestes Werk verschaffen konnten. Nach einer Pause folgte der zweite Teil, in dem er zwei seiner Kurzgeschichten zum Besten gab, die ebenfalls sehr unterhaltsam waren und er stand für viele Fragen zur Verfügung, die er dann auch ausführlich beantwortete.

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Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, sind seine Ausführungen darüber, wie er sich in seine Charaktere hineinversetzt. Da Jenny dies auf ihrem Blog bereits eindrucksvoll wiedergegeben hat, dürft ihr das gerne bei ihr nachlesen :) Jenny selbst, die ich übrigens nicht kannte, von der ich erst durch ihren Blogartikel erfahren habe, dass sie bei der Lesung war, hat dann auch die Frage gestellte, die mich am meisten interessiert hat: Was liest Arno Strobel? Und es kam wie aus der Pistole geschossen: Stephen King – gut, eigentlich keine wirkliche Überraschung, aber durchaus interessant, denn er erzählte, dass er mit 14 seine Begeisterung zu diesem Autoren entdeckt hat und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich im gleichen Alter war, als ich die Bücher dieses Autoren verschlungen habe.

Ebenfalls interessant waren seine Ausführungen über die Genres, die er liest – fast alles, hauptsächlich Thriller und Krimis, wobei er in den Endphasen seiner Bücher bewusst keine Thriller mehr liest, sondern da beispielsweise auch zu „Frauenromanen“ greift. Überhaupt liest er fast alles, außer Vampir-Bücher und Feuchtgebiete – was aber nicht heißt, dass er nicht auch zu einem erotischen Roman greift, er hat nur genanntes Buch für sich ausgeschlossen.

Mein Fazit: Ein sehr unterhaltsamer Abend, ein toller neuer Psychothriller, witzige Kurzgeschichten und ein offener und sympathischer Autor, der viel von sich preisgegeben hat – absolut empfehlenswert!

Die Lesung war Teil der „Homburger Lesezeit“ der Stadt Homburg in Zusammenarbeit mit der Akademie für Ältere, dem Frauenkulturstammtisch, der HomBuch, der Stadtbibliothek und der städtischen Musikschule, die noch bis April 2016 läuft. (Flyer)

Der UlrichBurger-Verlag ist übrigens noch Veranstalter einer weiteren Lesung, Kerstin Gier kommt Anfang März ins Homburger Rathaus und liest aus Silber 3 – und natürlich habe ich auch dafür schon Tickets :)

52 Bücher im Mai 2015

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Das Projekt 52 Wochen habe ich in letzter Zeit ein wenig vernachlässigt, daher schlage ich hier fünf Fliegen mit einer Klappe und präsentiere Euch meine fünf Bücher aus dem Monat Mai:

Runde 39: Jugendbücher – Sommernachtsschrei

Vor einiger Zeit habe ich ein Paket mit Jugendthrillern von Arena ersteigert. Dieses Buch liegt noch auf meinem SuB, andere , wie z.B. Hassblüte, Aschenputtelfluch und Rosengift und habe ich bereits gelesen:


Runde 40: Flirteratur – Die 15 besten Flirttips für Frauen ab 30

Madame Missou schreibt Ratgeber, die man in rund einer dreiviertel Stunde lesen kann. Bisher habe ich einen davon gelesen – Wie uns Aufräumen & Entrümpeln glücklich macht – zahlreiche andere liegen noch auf meinem SuB.


Runde 41: Es war einmal – Rumpelstilzchens Glück

Rumpelstilzchens Glück ist ein wunderbar illustriertes Kinderbuch, das ich bereits vorgestellt habe.


Runde 42: Bücher mit einem Frauennamen im Titel – Helga, oder: Mit der Al Qaida nach Sibirien

Im Vorfeld der Hombuch durfte ich dieses Buch lesen und die Autorin Rebecca Hohlbein interviewen.


Runde 43 – Wasser ist zum Waschen da – 5 Tage im April

5 Tage im April liegt noch auf meinem SuB. Als ich das Cover zum ersten Mal gesehen habe, hat es mich sofort an Wasser und Wellen erinnert.


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Als der Eyjafjallajökull den Frankfurter Flughafen lahm legte

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Christoph Marzi ist Lehrer an einem Gymnasium und hat vor einigen Jahren einen Seminarfachkurs „Kreatives Schreiben“ angeboten. Im Laufe des Kurses entstand die Idee, ein eigenes Buch mit Kurzgeschichten zu schaffen. Dazu haben die Schüler die Vorgabe erhalten, dass die Protagonisten der einzelnen Geschichten alle am selben Tag, am 16. April 2010, in Frankfurt am Flughafen eintreffen mussten, wo an diesem Tag ein Flugverbot wegen der Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull bestand, so dass die Reisenden auf dem Flughafen fest sassen.

Das Ergebnis waren beispielsweise Geschichten über Magersucht, Mobbing, Depression, sowie eine Love Story und das alles in unterschiedlichen Stilen und Erzählweisen und sehr lesenswert. Die Schüler selbst berichteten davon, dass sie sich teilweise seit Jahren kannten, aber durch dieses Projekt nochmals ganz andere Seiten aneinander kennen gelernt haben. Ich hatte 2012 die Möglichkeit eine Lesung von zweien der acht Schüler zu besuchen und war fasziniert und begeistert von dem Ergebnis dieses Kurses.

Das Buch mit dem Titel Stop! ist unter dem Herausgeber Christoph Marzi im Ulrich-Burger-Verlag erschienen.


In Woche 29 von 52 Bücher hatte unsere Projektmuddi das Thema Verkehrsmittel/Nahverkehrsmittel ausgegeben.

Mein Treffen mit der selbsternannten Gottkönigin über das Rondell des Grauens

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Auf Einladung von Ulrich Burger vom gleichnamigen Verlag befinde ich mich heute im „Rondell des Grauens“, einer kleinen Reihenhaussiedlung, die Schauplatz des Buches „Helga, oder: Mit der Al Qaida nach Sibirien“ ist.

Gerade kommt Helga, die selbsternannte Gottkönigin der Reihenhaussiedlung, in ihr Wohnzimmer und stellt einen Kaffeepott und Gebäck vor uns auf den Tisch. Wir – die Autorin Rebecca Hohlbein und ich – treffen uns heute hier zu einem Interview im Vorfeld der HomBuch 2015.

Die HomBuch ist die Saarländische Buchmesse, die am 28. und 29. März 2015 in Homburg/Saar stattfinden wird und wer Rebecca Hohlbein live erleben möchte, hat dort am 29. März 2015 um 13.30 Uhr Gelegenheit dazu.

Aber zurück zum „Rondell des Grauens“. Damit Ihr Euch eine Vorstellung von Helga und dem Buch machen könnt, will ich Euch einen Einblick in den Klappentext geben:

Menscheskinners – wie sieht das denn hier schon wieder aus?“ Helga, selbsternannte Gottkönigin über unsere kleine Reihenhaussiedlung, ist im Anmarsch – und damit beginnen viele weitere, schier endlosen Stunden meines ganz alltäglichen Elends zwischen Al Qaida und Kö, ALDI und Australien, Familie, Feuer und Wirbelsturm. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie und lakonischem Humor beschreibt die Ich-Erzählerin ihr Leben im „Rondell des Grauens“. Aber dann verschwindet Alleinherrscherin Helga plötzlich – und auf einmal ist alles noch viel, viel schlimmer …

Rezension

 

Liebe Helga, Rebecca Hohlbein schreibt im Nachwort des Buches, dass es sich um keine Autobiographie, sondern lediglich um eine autobiographisch angehauchte Geschichte handelt. Sie hat jede Peinlichkeit, die ihr und ihrem Umfeld je unterlaufen sind, in eine einzige Figur, nämlich Sie, liebe Helga, komprimiert. Was sagen Sie dazu?

Helga: Bitte, was bin ich? Angehauchte Geschichte? Dir geb ich gleich angehauchte Geschichte! Ich bin ja noch lange nicht von gestern!

Rebecca: Pardon – ich muss da mal was klarstellen: Ich bin nicht die Ich-Erzählerin aus dem Roman. Die Erzählerin ist eine fiktive Figur, dir mir zufällig in einigen Punkten ähnelt und

Helga: Fiktive Gestalt! Jetzt wirst du auch noch obszön! Du weißt aber schon, dass das alles hier morgen in irgendeiner Zeitung steht, oder?

Rebecca: Ja, Helga.


Rebecca, wie haben wir uns die Entstehung der Geschichte vorzustellen? Hast Du jahrelang Buch geführt über das, was in Deiner Familie und Deinem Freundeskreis passiert ist?

Rebecca: Ich habe viele echte Anekdoten aus meinem richtigen Leben in die Geschichte integriert. Ich führe so etwas wie ein Tagebuch, in dem ich außergewöhnliche oder besonders lustige Anekdoten aus meinem Alltag in Kurzgeschichtenform festhalte. Aber ein Großteil des Romans ist erstunken und erlogen.

Helga: Sag ich doch! Die lügt, sobald sie den Mund aufmacht!


Beim Lesen des Buches habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es hier im Rondell des Grauens aussehen mag. Helga, gibt es Leser und Fans, die hierher pilgern, um sich die Originalschauplätze anzuschauen? Und was hat sich mit der Veröffentlichung des Buches für sie geändert?

Helga: Das Buch, das Buch…! Als ob diese jungen Leute wegen diesem Buch hierherkommen! Nee, die wollen Autogramme von mir. Und dass ich ihnen was vorsinge. Aber ohne Fleiß kein Preis. Ich hab für jeden was zu tun.

Rebecca: Du lässt deine Fans für dich arbeiten, Helga? Blumen gießen, Katzen füttern und solche Sachen?

Helga: Nur, wenn sie mich dafür bezahlen.


Rebecca, viele Autoren pflegen den Kontakt zu ihren Lesern über Facebook, Twitter, einen Blog oder eine Homepage. Du bist ebenfalls im Internet präsent. Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Deinen Lesern, wie wichtig sind Dir Rezensionen und wie gehst Du ggf. mit Kritik um?

Rebecca: Ich habe eine sehr lebendige FB-Seite und stehe – im Rahmen meiner Möglichkeiten – gern im engen Austausch mit meinen Lesern. Grundsätzlich neige ich zwar dazu, mein eigenes Ding nach meinen persönlichen Vorstellungen durchzuboxen, aber ich lasse mich von den Wünschen und der Kritik der Leser gern inspirieren – von den guten genau so wie von den schlechten.


Helga, wie verläuft ein typischer Tag in Ihrem Leben?

Helga: Ach, da hat sich nicht viel geändert. Wissen Sie: Die vom Fernsehen, vom Radio und von den Zeitungen, das sind ja auch alles ganz normale Menschen wie Sie und ich. Die stinken auch beim Kacken. Ab und zu fahren die Mädchen mich jetzt mal zu einem Interview oder einem Konzert, wo ich dann meine Lieder singe. Eeer gehört zu miiiiir, wie mein Naaame an der Tüüüüür…

Rebecca: Nicht singen, Helga. Bitte nicht singen!

Helga: Aber die jungen Leute finden das schön!

Rebecca: Mag sein. Aber du solltest die Frage beantworten. Was machst du meistens so den ganzen Tag?

Helga: Einkaufen, weißt du doch. Und mich um die Tiere kümmern. Und um den Garten. Das ist ja auch wichtig, wie der Garten aussieht, wissen Sie? Zeig mir deinen Garten, und ich sag dir, wer du bist…


Greifen Sie gelegentlich zu einem Buch oder bleibt dafür keine Zeit?

Helga: Ich les schon lange nix mehr. Das mussten wir ja damals in der Schule schon genug, das kennen Sie bestimmt. Das reicht dann auch für ein ganzes Leben. Aber die „Blumenfee“, die kaufe ich mir immer. Und da lese ich auch die Deko-Tipps. Man lernt ja nie aus.


Rebecca, im Internet ist zu lesen, dass Du als Autorin versuchst, eine Brücke zwischen Jugendbuch und Fantasyroman zu schlagen. Wenn Du selbst zu einem Buch greifst, hast Du ein Lieblingsgenre oder einen Lieblingsautoren? Bevorzugst Du „echte“ Bücher oder eBooks?

Rebecca: Da bin ich sehr altmodisch. Ich muss ein Buch in den Händen halten, mit Eselsohren und Kaffeeflecken verhunzen und neben den Sessel fallenlassen können. Ich will es zu den anderen verranzten Schinken ins Regal stellen und vor mir selbst damit angeben können, darum besitze ich kein einziges ebook. Wahrscheinlich ist es auch sehr unbefriedigend, eine Speicherkarte in einer Vitrine zu drapieren und zu sagen: Das habe ich alles gelesen…! Es muss also schon ein Buch aus Papier mit Druckerschwärze sein – vorzugsweise von Matt Ruff, Christopher Moore oder Terry Pratchett. Aber ich schmökere auch unvoreingenommen und oft mit ähnlicher Begeisterung in vielen anderen, unterschiedlichen Genres; ausgenommen düstere Fantasy und Science Fiction. Das ist nicht so mein Fall. Ich mag es humorvoll und bunt.

Helga: Räum lieber mal deinen Garten auf.


Helga, was steht bei Ihnen in nächster Zukunft an? Möchten Sie weiter im Rampenlicht stehen oder sehnen Sie sich nach Ruhe und Normalität?

Helga: Ach, mal gucken, was der Tag so bringt. Vielleicht mache ich noch so eine CD, aber nur wenn der Jürgen Drews auch mitsingt. Oder was mit Fernsehen. So was wie „Wo Grafen schlafen“, kennen Sie das? Das wäre schön. Aber das geht nur, wenn ich auch meine Hunde immer mitnehmen darf, ohne Sissi und Franz mache ich das nicht.


Rebecca, arbeitest Du aktuell schon an einem neuen Projekt und wenn ja, kannst Du uns schon mehr darüber verraten?

Rebecca: Ja und nein.

Helga: Bisschen verschnupft die Dame, oder was?

Rebecca: Ich muss mal.


Bevor wir uns verabschieden und gehen, beobachte ich, wie Helga den Kaffeetisch abräumt und umständlich die Platzdeckchen zurecht rückt. Sie erinnert mich gerade an eine frühere Nachbarin. Haben wir vielleicht alle eine Helga zuhause? Eine Helga, der nichts entgeht, über die man sich gerne beklagt, die einem aber fehlt, wenn man sie tagelang nicht gesehen hat?

Mein Dank für dieses Interview geht an Rebecca Hohlbein!


Rebecca Hohlbein ist 1977 in Neuss geboren, wo sie noch heute mit ihren beiden Söhnen lebt – Tür an Tür mit ihrer Großfamilie. Schon während des Fachabiturs veröffentlichte sie (teils unter Pseudonym) Kurzgeschichten und Kinderbücher. Ihre anschließend folgenden Jugendbücher und Romane für junge und junggebliebene Erwachsene zeichnen sich vor allem durch den Versuch aus, eine Brücke zwischen Fantasy-Roman und Jugendbuch zu schlagen. Neben ihrer Arbeit als Autorin malt, modelliert und schauspielert sie leidenschaftlich gern im vorwiegend privaten Rahmen.

Quelle: Ulrich Burger Verlag – UBV

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Helga, oder: Mit der Al Qaida nach Sibirien von Rebecca Hohlbein

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Helga, oder: Mit der Al Qaida nach Sibirien
von Rebecca Hohlbein
erschienen am 10. Dezember 2014
im UlrichBurger-Verlag UBV


  • Zum Inhalt

Ich glaube, ich habe mich noch nie so schwer getan, etwas zum Inhalt eines Buches zu schreiben. Bei den ersten Versuchen habe ich entweder zuviel über den Inhalt verraten oder ich habe nicht gespoilert, dann klang es viel zu langweilig. Nun hoffe ich, dass ich eine gute Mischung gefunden habe:

Helga, das ist die selbsternannte Gottkönigin des „Rondell des Grauens“, einer Reihenhaussiedlung, in der die Ich-Erzählerin mit ihrem Kindern lebt – direkt neben ihren Eltern, ihren Geschwistern und natürlich besagter Helga. Helga taucht beispielsweise gerne bei den anderen zuhause auf und schaut ungefragt nach dem Rechten, sie gibt gerne gute Tipps (ungebeten, natürlich) oder sie nimmt auch schon mal die Post für ihre Nachbarn entgegen (um nachzusehen, was drin ist).

Natürlich verfügt Helga auch über die anderen Bewohner, so werden die Ich-Erzählerin und ihre Schwägerin in spe regelmäßig für stundenlange Einkaufstouren in Anspruch genommen und müssen Helga in deren Wagen durch die Gegend kutschieren.

Kein Wunder also, dass die ganze Sippschaft Freudentänze aufführt, als man Helga mitsamt ihren beiden Hunden Franz und Sissi, sowie der Stehlampe (die Hunde schlafen nur bei Dimmer-Beleuchtung), in einen Bus verfrachtet hat. Nach eigener Aussage will sie auf der Al Qaida gen Sibirien schippern. Die Daheimgebliebenen vermuten sie eher auf der Avida Richtung Sizilien. Aber wohin auch immer die Reise geht, der Punkt ist, das Rondell des Grauens muss eine zeitlang ohne ihre Gottkönigin auskommen. Und entgegen aller Erwartungen stehen diese Tage unter keinem guten Stern und es kommt richtig dick für die Bewohner der Reihenhaussiedlung. Da sind ein Hund, der nicht fressen will und eine Hochzeitsgesellschaft in Ballonseide noch die geringsten Übel.


  • Meine Meinung zum Buch

Helga ist jemand, den man eigentlich nicht um sich haben möchte. Nicht nur, dass sie den gewohnten Tagesablauf auf den Kopf stellt, sie weiß alles (besser) und sieht und hört alles. Was Helga sagt, ist Gesetz und wenn Helga ruft, fügen sich alle. Doch erst, als Helga weg ist, wird allen klar, wie sehr sie fehlt. Denn eigentlich ist Helga auch diejenigen, die den ganzen Haufen zusammen hält. Beim Lesen habe ich Helga leibhaftig vor mir gesehen und während die Daheimgebliebenen endlich merken, was sie an ihr haben, hat sich auch mein Eindruck von ihr gewandelt.

Rebecca Hohlbein hat hier eine völlig überspitzte Geschichte erschaffen, über die ich viel Schmunzeln konnte. Im Nachwort schreibt sie, dass sie alle Peinlichkeiten, die ihr und ihrem Umfeld je passiert sind, in dieses Buch gepackt hat. Den Schreibstil würde ich als „frei Schnauze“ bezeichnen, salopp, humorvoll und unterhaltsam.

Zu Beginn hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten, in die Geschichte hinein zu kommen, aber schon nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, mich im Rondell zu befinden und konnte die Leute und die Situationen direkt vor mir sehen.

Ich vergebe vier von fünf Eulen für ein Buch, das mich gut unterhalten und mir mehrfach ein Lachen ins Gesicht gezaubert hat.

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Vielen Dank an an den Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Ich weise darauf hin, dass dies keinen Einfluss auf meine Beurteilung hat. Für diesen Artikel wurde ich nicht bezahlt und habe auch keine andere Gegenleistung erhalten.

 

Geschichten sind Träume von gelogenen Erinnerungen und wahrhaftigen Wünschen

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Geschichten sind Träume von gelogenen Erinnerungen und wahrhaftigen Wünschen

Ein Gastbeitrag von Christoph Marzi

Ich liebe Kurzgeschichten, als Schriftsteller, viel mehr noch als Leser. Kurzgeschichten sind Sterne, die flackernd am Himmel funkeln. Man übersieht sie leicht, denn sie sind klein und zerbrechlich. Man hört sie kaum, denn was sie sagen, ist kaum mehr als ein Flüstern. Aber sie bleiben im Kopf, lange noch, nachdem ihr Ende verklungen ist und der letzte Satz gesprochen wurde, wie eine Sternschnuppe, die am Nachthimmel versinkt.

Kleinen Kindern erzählt man Märchen, die meist kaum mehr sind als kurze Geschichten. Wer erinnert sich nicht daran? Wenn die Eltern das Zimmer verlassen haben, der Wind an den Fensterläden rüttelte und die knorrigen Äste an der Hauswand entlang schabten, wenn es richtig dunkel geworden war, dann kehrten all die Details zurück: das Gesicht der Hexe und die Hitze der Flammen, das ums Feuer tanzende Rumpelstilzchen und die Wölfe in den Wäldern. Kinder denken darüber nach, was ihnen eine Geschichte sagen soll. Sie fragen sich, was sie zu bedeuten hat. Erwachsene haben oftmals vergessen, wie so was geht. Erwachsene analysieren, aber sie haben zu fühlen verlernt. Kinder begreifen instinktiv, um was es in einer Geschichte geht. Für sie ist das alles lebendig, greifbar, wirklich. Und Kurzgeschichten sind länger, als sie scheinen. Manchmal viel länger, als Romane es je sein können. Niemand sollte den Fehler machen, die Länge einer Geschichte an der Anzahl der Wörter zu messen. Die Autoren meiner Kindheit – Wilhelm und Jakob Grimm, Hans Christian Andersen, Edith Nesbit, Rudyard Kipling, Roald Dahl, Astrid Lindgren – sie alle konnten wirklich lange Geschichten mit nur so wenigen Worten erzählen, dass es pure Magie sein musste, was sie da taten. Und am Ende ist man doch noch immer das Kind, das gerne Geschichten hört.

Ich war fünfzehn oder sechzehn Jahre alt, als ich mit dem Schreiben von Geschichten begann. Es waren kurze Geschichten, die ich auf einer alten kleinen Kofferschreibmaschine tippte, damals. Später – schon während der Schulzeit – wurden die Geschichten bereits länger, doch immer wieder kehrte ich zur kurzen Form zurück (die beiden Romane, die ich während der Schulzeit schrieb – den Horror-Roman „Muspilli“ mit knapp 300 einzeilig getippten Manuskriptseiten und den umfangreicheren Roman „Das zweite Gesicht“ mit fast 500 Seiten – kann man heute getrost vergessen, weil es eigenwillige Stilübungen eines Siebzehn- bzw. Neunzehnjährigen waren, nicht mehr, aber auch nicht weniger) . Kurzgeschichten hingegen waren von Anfang an eine Liebe, zu der ich immer wieder zurückgekehrt bin (als Schriftsteller und als Leser – John Steinbeck, Alice Munro, Michael Chabon, Neil Gaiman, T.C. Boyle, Stephen King, Mark Helprin und Shirley Jackson sind nur einige der emsigen Kurzgeschichtentäter, die ich im Lauf des Studiums entdeckt und denen ich treu geblieben bin – zu Hemingway bin ich schon sehr früh nicht mehr zurück gekehrt, weiß der Henker warum …). Kurzgeschichten sind wie eigenwillige Kinder, die zum Leben erwachen und tun, was sie nicht bleiben lassen können. Ich mag sie, weil sie sind, wie sie sind.

Jede Geschichte hat ihren Rhythmus, besitzt eine eigene Stimme. Manchmal gibt es sogar Geschichten, die sich in Essays oder Blog-Artikeln verstecken, weil sie zu schüchtern sind, um an ihrem Platz zu stehen und vor aller Augen auf Applaus zu warten.

Dies hier ist so eine Geschichte. Sie heißt

 

Spiegel, Schloss und Sarg

(hat vorher schon einmal in einer Kurzgeschichtensammlung, die es nun nicht mehr gibt, gelebt) und sie geht so:

Einst lebte ein König in den grünen Landen jenseits der weißen Klippen und dieser König liebte eine heimtückisch herrschsüchtige Frau mit einem Gesicht, so wunderbar schön wie Alabaster. Ihr Lächeln war wie ein Gemälde aus roter Farbe und strahlte wie ein Abbild der Sonne und doch vermochte es niemanden zu verzaubern.

Die Spiegel, die alle Wände des Schlosses bedeckten, waren ihre besten Freunde. Ihnen vertraute sie sich an und das Gift, das ihr wie süße Worte von den Lippen troff, benetzte die Spiegelbilder, die vor ihrer unsagbaren Schönheit beinah leuchteten.

Doch als die Königin älter und ihr Gesicht zu dem Gesicht wurde, das sie wirklich besaß, da wuchs die Missgunst in ihr, wie sie es niemals zuvor getan hatte, und es sah aus, als zerfräßen Maden die einstmals so reine Haut.

Die Spiegel zeigten ihr Falten und Flecken und unstillbare Wut in den schmalen Augen.

Sie hörte das Krächzen der eigenen Stimme und aus der Ferne die lieblichen Gesänge der Mädchen auf den Feldern.

Das war der Moment, in dem sie die Spiegel befragte.

Und die Spiegel, die dumme Wesen sind und feige dazu, gaben ihr einen Rat, den sie dem König zutrug.

Sie weinte und raufte sich die Haare, so verzweifelt und so zornig war sie.

Dem König, der alt und gutmütig war, tat die Königin leid.

So schickte er seine Soldaten aus, auf dass sie der Königin frische Gesichter besorgen sollten.

Scharfe Messer machten der Königin die jungen Gesichter der Mädchen vom Feld und aus den Dörfern zum Geschenk. Mit Nadel und Faden trug die Königin ein Gesicht nach dem anderen auf dem ihren, und wenn eines der neuen Gesichter alt und schäbig wurde, so ließ sie sich gleich ein neues bringen.

So kam es, dass sie wieder jung war und wunderschön und die Gesichter, die sie trug, an Liebreiz gewannen.

Die Menschen im Königreich indes begannen, die hübschen Töchter zu verstecken.

In den Nächten stahlen sich die Menschen aus den Dörfern und suchten das Weite.

Und viele von ihnen fanden ihr Glück im Königreich jenseits des Waldes, wo eine Königin herrschte, die weder Spiegel noch König besaß und glücklich war.

So begab es sich, dass die Soldaten eines Tages mit leeren Händen zur Königin zurückkehren mussten.

Es gab keine neuen Gesichter mehr im Königreich und als das letzte der einstmals hübschen Gesichter auf dem wahren Gesicht der Königin gewelkt war, da lief sie schreiend im Schloss umher und aus allen Spiegeln starrte sie ein Antlitz an, dass noch viel hässlicher war als jenes, das sie einst so verdammt hatte.

Sie starb, lange nach dem König, allein.

Man sagt, die Spiegel hätten ihr bis zuletzt Gesellschaft geleistet. Und die Schreie, die sie ausgestoßen hatte, waren an dem glatten Spiegelglas hinab gelaufen wie Tränen.

Der Sarg, in den man sie bettete, war aus Glas.

Und jeder, der Mutes genug war, konnte das Gesicht sehen, das sie schon immer besessen hatte.

 

Hier endet die Geschichte von der bösen Königin, der jeder schon einmal begegnet ist. Und man sieht, dass Märchen immer in der Wirklichkeit daheim sind (Frauen begegnen der bösen Königin wohl öfter als Männer, das lehrt die Erfahrung – wenn Sie mir nicht glauben, dann fragen Sie ihre Frau oder Freundin).

Wie ich bereits sagte, ich kann die Finger nicht von kurzen Geschichten lassen. Derzeit arbeite ich an einem sehr langen Roman und einem nicht ganz so langen Roman, daneben entstehen aber immer wieder neue Kurzgeschichten. Manche davon sind für eine Veröffentlichung bestimmt (sie werden für „irgendjemanden“ geschrieben, wobei dieser „irgendjemand“ meistens ein Herausgeber ist, der eine Anthologie zu einem bestimmten Thema plant), andere entstehen einfach nur aus einer Idee heraus (Feuerwerke, die spontan in den Himmel geschossen werden und, mit ein wenig Glück, zu kleinen Sternen werden, die länger dort oben funkeln). Am Ende hat sich nicht viel verändert: ich schreibe noch immer die Geschichten, die ich schreiben möchte. Einige davon, wie „Helena und die Ratten in den Schatten“, werden erst lange Zeit nach ihrem Entstehen zu Bilderbüchern, andere, wie „Tick Tack“, sind erst einmal meinen Kindern vorbehalten (und den Besuchern von Lesungen – denn, auch das ist eine Marotte, ich neige dazu, im Rahmen von Lesungen immer öfter unveröffentlichte Geschichten vorzulesen). Wie dem auch sei, sie haben alle eines gemeinsam: sie sind Träume von gelogenen Erinnerungen und wahrhaftigen Wünschen, die zu Geschichten werden. Meine Träume. Immer noch.

 

Ein Gastbeitrag von Christoph Marzi zur Blogtour anlässlich der HomBuch, der Saarländischen Buchmesse, die am 28. und 29. März 2015 in Homburg stattfindet.

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